Um Europas Stadien und Arenen effizient bereisen zu können, ist die Nutzung eines Flugzeuges in den meisten Fällen alternativlos. Dementsprechend macht es durchaus Sinn, dem Bonusprogramm eines Airline-Verbundes beizutreten, um auch in der Holzklasse mit etwas mehr Komfort zu fliegen.
Die innerhalb des Kalenderjahres gesammelten Flugmeilen sind zudem der perfekte Indikator, um seine individuelle Reiseaktivität abschließend zu analysieren. Mit Blick auf die nackten Zahlen des Jahres 2025 muss ich mir eingestehen, dass es Lebensabschnitte gab, in welchen ich das beliebte „Cabin Crew, prepare for departure“ mit Sicherheit öfters gehört habe. Auch wenn ich meinen Vielflieger-Status bei einer großen deutschen Fluglinie zum neunten Mal in Folge halten konnte, musste ich mich schon ein wenig strecken, um nervige Wartezeiten am Gepäckschalter und der anschließenden Sicherheitskontrolle auch im nächsten Jahr weitestgehend zu verhindern.
Was sich zunächst nach einem vergleichsweise unauffälligen (Fußball-)Jahr mit wenig Höhepunkten anhört, war bei näherem Hinsehen ein sehr Erfolgreiches mit vielen schönen Momenten und Erinnerungen. Obwohl die Reisefrequenz aufgrund meiner beruflichen Verpflichtungen aktuell nicht mehr so hoch wie in den vergangenen Jahren ist, konnte ich drei weitere europäische Länder auf meiner „UEFA55“-Liste abhaken.
Den Anfang machte mit der Republik Moldau ein Land, das in unseren westlichen Medien gerne als „Armenhaus Europas“ diffamiert wird. Die geteilte Nation steht vermutlich wie kein anderes Land für die gesamteuropäischen Probleme unserer Zeit. Während in Chisinau -Hauptstadt der Republik Moldau- viele junge Menschen auf einen Beitritt in die Europäische Union hoffen, wünschen sich die Bewohner der abtrünnigen „Pridnestrowischen Republik Moldau“ lieber heute als morgen eine Wiedereingliederung ihres Landes in die Russische Föderation.
Trotz der gegensätzlichen politischen Systeme und einer gut gesicherten Grenze mit russischen Friedenssoldaten besitzen beide Republiken eine gemeinsame Fußball-Liga mit acht Teilnehmern. Nach den Auftaktspielen bei Zimbru Chisinau und dem FC Petrocub Hincesti im westlich orientierten Landesteil ging es nicht nur sprichwörtlich hinter den eisernen Vorhang. In Pridnestrowien wartete mit dem FC Sheriff Tiraspol nicht nur der amtierende Rekordmeister „Gesamt-Moldaus“, sondern auch ein Land, das von der europäischen Außenwelt völlig abgeschottet ist und als sowjetisches Freilichtmuseum mit echten Menschen durchgehen könnte. Deshalb war es für mich nach der intensiven Grenzkontrolle überhaupt nicht verwunderlich, dass die Empfangsmitarbeiterin im „Hotel Russia“ bei Ankunft bereits wusste, wer ich bin und wie ich heisse.
Als sich die großen europäischen Meisterschaften in die Sommerpause verabschiedeten, stand eine weitere sogenannte „Kalenderjahr-Liga“ auf dem Programm. Auf den fußballverrückten Färöer Inseln gönnt man sich mit der „Betri Deildin“ eine kleine Liga mit zehn Vereinen, die ihren Meistertitel von März bis Oktober ausspielen. Die Inselgruppe im Nordatlantik, die trotz Zugehörigkeit zum Königreich Dänemark in vielen Bereichen weitreichende Autonomierechte besitzt, war das bislang teuerste Land auf meiner langen Reise durch den europäischen Fußball.
Allerdings muss man ganz klar festhalten, dass die Inseln in Bezug auf den Erholungsfaktor jede dänische Krone wert sind. Gerade wenn man als Individualreisender mit dem Auto auf den engen Landstraßen unterwegs ist, möchte man nach fast jeder Kurve anhalten, um diese unfassbare Mischung aus Berg und See genießen zu können. Dies gilt selbstverständlich auch für die wirklich malerischen Spielorte wie Nordragota, Fuglafjordur oder Toftir, wo man sich neben der spielerischen Darbietung auf das unfassbar schöne Panorama „hinter dem Tor“ konzentrieren musste. Dazu gesellte sich in Torshavn ein Hauptstadt-Derby, das vor dem Spiel eine große gegenseitige Abneigung vermuten ließ, bei Abpfiff allerdings von eindrucksvoller Fairness zweier benachbarter Vereine geprägt war. Mit temporärer Aufnahme der völlig entschleunigten Lebensart der Färöer nistete sich dann auch irgendwann ein Gefühl der finanziellen Gleichgültigkeit in meinem Verstand ein. Deshalb durfte das 11-Euro-Bier im Pub von Torshavn an diesem Abend nicht das Einzige bleiben. Nur dumm, dass die Kreditkartenabrechnung wenige Wochen später wieder meine deutschen Gene weckte und für einen nachträglichen Kater sorgte.
Das dritte große Projekt des Jahres 2025 führte mich in den östlichsten Mitgliedsstaat der europäischen Fußballunion UEFA. Was sich jetzt schon nach Abenteuer anhört, war dann auch eines. Die Republik Kasachstan ist das grösste Binnenland der Welt und satte acht Flugstunden aus Deutschland entfernt. Auch in Kasachstan spielen die Vereine aufgrund der schwierigen klimatischen Bedingungen mit winterlichen Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius im gemäßigten Kalenderjahr-Modus.
Nach dem spektakulären Neun-Tore-Start in der hochmodernen Hauptstadt Astana ging es mit dem Auto gen Norden an die russische Grenze. In Kokshetau musste der auch international bekannte FC Astana unbedingt gewinnen, um kurz vor Saisonende im Meisterrennen der „Kazakhstan Premier League“ zu bleiben. Um die Fläche Kasachstans am eigenen Körper zu spüren, entschied ich mich bei der Weiterreise nach Almaty ausnahmsweise mal gegen das Flugzeug. Rückblickend eine weise Entscheidung, da die anstrengende aber wunderschöne Nachtzugfahrt tatsächlich länger in meinem Gedächtnis bleiben wird als ein kurzer Inlandsflug. Nach 16 Stunden Fahrt durch die kasachische Steppe stand im Ortalyk-Stadion von Almaty das östlichste Champions League-Spiel aller Zeiten auf dem Programm. Was zu diesem Zeitpunkt schon das Zeug zum absoluten Reise-Highlight hatte, wurde zum Abschluss allerdings noch einmal deutlich übertroffen.
Das kasachische Pokalfinale in der Wüstenstadt Kyzylorda war in allen Belangen ein besonderes Spiel für mich. Dies lag nicht nur am außergewöhnlichen Spielort nahe des berühmten Weltraumbahnhofes Baikonur, sondern an der Tatsache, dass ich dieses Ereignis aus nächster Nähe begleiten durfte. Dazu erhielt ich von meinen Gastgebern wertvolle Einblicke in das echte kasachische Leben! Nach dem Besuch einer Brotfabrik ging es in eine nagelneue Schule, die unter anderem mit 3-D-Druckern ausgestattet war und den Eindruck vermittelte, dass man sich um das deutsche Bildungssystem mehr als nur ernsthafte Sorgen machen muss.
Ein weiterer Schwerpunkt des Jahres war die Europapokalsaison des gibraltarischen Rekordmeisters Lincoln Red Imps FC. Nach dem Königsklassen-Start auf den Färöer Inseln führte mich die Auslosung zum Europa League-Playoff ins nordportugiesische Braga und endete mit einem Heimspiel in der Ligaphase der UEFA Conference League. Was vor Jahren mit lockerem Interesse für einen klassischen Underdog begann, entwickelte sich mittlerweile zu einer durchaus engen Fernbeziehung. Es ist einfach faszinierend, was dieser vergleichsweise kleine Club Jahr für Jahr leistet, um die vermeintlich großen Vereine im Europapokal ärgern zu können!
Das war mein persönliches Fußball-Jahr 2025. Neben den bereits angesprochenen Reisen gab es noch viele andere Ereignisse und Begegnungen, die Ihr entweder hier auf meiner Webseite oder den angeschlossenen Social-Media-Netzwerken bei Instagram und Facebook findet. Vor allem bei Instagram sind viele Reisen auch in bewegten Story-Bildern festgehalten, welche die perfekte Ergänzung zum geschriebenen Blog bieten. Klickt Euch doch einfach mal in die UEFA Champions League bei Manchester City, das „Trainspotting“ bei Tottenham Hotspur, das transsilvanische Duell im rumänischen Pokalfinale, den Geburtsort des Fußball-Evergreens „Carnaval de Paris“ oder die Geschichte eines kleinen Koboldes in der Kathedrale von Lincoln. Falls Euch meine Arbeit gefällt, würde ich mich über ein „Like“ freuen!
Auch wenn die besuchten Länder, Spielorte und Vereine des Jahres 2025 oberflächlich betrachtet nicht allzu viel miteinander zu tun haben, besitzen sie doch einmal mehr zwei ganz wichtige Gemeinsamkeiten: Gastfreundschaft und Herzlichkeit! Damit ist klar, dass die Aussage „Fußball verbindet“ keine leere Phrase, sondern ein Lebensgefühl ist, das die oftmals zerstrittenen Politiker dieser Welt vermutlich nur schwer nachvollziehen können! Deshalb macht es mir auch nach zehn Jahren „Henning Loves Football“ weiterhin Spass, den Fußball anderer Kulturen zu beleuchten und eine Informationsplattform außerhalb der deutschen Fußball-Blase anbieten zu können.
Ich möchte mich zum Abschluss des Jahres 2025 bei allen Lesern und Unterstützern ganz herzlich bedanken und hoffe, dass Ihr mir auch im kommenden Jubiläumsjahr gewogen bleibt. Dann mache ich mit meinem Blog die zehn Jahre voll. Eine Zahl, die ich mir im Januar 2016 nicht unbedingt hätte vorstellen können!
Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2026…STAY TUNED!
Auf all meinen Reisen durch die Fußballstadien dieser Welt ist Aktualität ein wichtiger Bestandteil meiner Homepage! Leider bieten manche Reiseziele nicht genug „Futter“ für einen ausführlichen Spiel- und Reisebericht oder sind wiederum so intensiv, dass ich für einen umfangreichen Blog mehr Zeit und Inspiration benötige.