Wenn ich mein persönliches (Fußball-)Jahr 2023 in einem einzigen Satz zusammenfassen müsste, würde der Titel des 1965 erschienenen Agatha Christie-Kriminalfilmes „Da waren´s nur noch neun“ wie die Faust aufs Auge passen!

Wie gehabt stand das auslaufende Jahr zu großen Teilen im Zeichen meines Projektes „UEFA55“, mit dem ich mir vor fünf Jahren das Ziel setzte, in sämtlichen 55 Mitgliedsländern der europäischen Fußball-Union UEFA mindestens ein Erstliga- oder Pokalspiel gesehen und die kulturellen Highlights des jeweiligen Landes erlebt zu haben.

Obwohl das Jahr 2023 in dieser Thematik ein wirklich gutes Jahr war und fünf weitere Länder von der Liste gestrichen werden konnten, wird die Reiseplanung in die neun ausstehenden Fußballnationen zusehends schwieriger, da wir mit all den Krisen und kriegerischen Handlungen in unserer näheren und etwas weiter entfernten Nachbarschaft insgesamt in schwierigen Zeiten leben. Die spüren wir in Deutschland vor allem dann, wenn man bei der Flugbuchung auf Länder verzichten muss, die einen deutschen Reisepass entweder gar nicht mehr oder nur noch zähneknirschend akzeptieren und einen Aufenthalt aufgrund der unsicheren Sicherheitslage nur mit erhöhter Anstrengung möglich machen. Deshalb sind es nach Abzug von Russland, Belarus und Israel momentan eigentlich nur noch 52 europäische (Fußball-)Länder, die man ohne „Magenschmerzen“ bereisen kann!

Aus diesem Grund kann ich nur hoffen, dass eine Entspannung der Lage relativ zeitnah einsetzt und nicht erst dann, wenn ich in hohem Alter bei einer Tasse Kaffee in einem Seniorenheim in Castrop-Rauxel sitze. Bis dahin werde ich jedenfalls weitermachen, denn schließlich stehen mit Albanien, Bosnien-Herzegowina, Aserbaidschan, Kasachstan, Moldau und den Färöer Inseln noch spannende „UEFA55“-Aufgaben vor der Tür, für die das kommende Jahr 2024 sicherlich wie gemacht ist!

Auch in diesem Jahr gab es wieder Fußball-Reiseerlebnisse, die aufgrund der sportlichen, zwischenmenschlichen oder länderspezifischen Erlebnisse herausragend waren, gelegentlich aber auch zeigten, dass selbst die beste Reiseplanung schnell ins Wasser fallen kann!

Im Januar 2023 führte mich mein erster Weg traditionell auf die britische Insel, wo im englischen Fußball die dritte Runde des ältesten Pokalwettbewerbes der Welt, dem FA-Cup, auf dem Programm stand. Hierzu ging es nach einer feucht-fröhlichen Nacht in der Großstadt Bristol „aufs Land“ in die Ortschaft Nailsworth, wo ein ganz spannender und individueller Fußballclub beheimatet ist. Die Forest Green Rovers sind der erste völlig vegane Fußballclub der Welt, was gerade im Mutterland des Fußballs bei all den spieltäglichen Imbiss-Ständen mit gebratenen Fleisch-Leckereien fast schon absurd klingt. Der englische Viertligist aus der „EFL League Two“, der sein gesamtes Leitbild auf Nachhaltigkeit, Umweltschutz und alternative Energiequellen ausgelegt hat und in naher Zukunft ein energieeffizientes Stadion aus Holz bauen will, erhielt vor wenigen Wochen sogar Besuch von einer Delegation des deutschen Bundesligisten Borussia Dortmund. Die schwarz-gelben Verantwortlichen wollten sich bei dem kleinen Verein an der walisischen Grenze tatsächlich einige Anregungen in Sachen Nachhaltigkeit holen!

Leider hatte der Besuch bei den Forest Green Rivers einen entscheidenen Fehler! Gerade bei Ankunft am Stadion „The New Lawn“ entschied sich das Schiedsrichtergespann für die Absage des Pokalspieles gegen Zweitligist Birmingham City, da der Platz aufgrund der nächtlichen Regenfälle einfach nicht bespielbar war! Nun musste also schnell ein Alternativplan geschmiedet werden, der mich nach einer grösseren „Google“-Maps-Recherche in den Großraum London führte, wo mit der Partie zwischen Fünftligist Boreham Wood und Drittligist Accrington Stanley ein stimmungsvolles Ersatzspiel identifiziert werden konnte.

Auch die zweite Flugreise des Jahres stand zunächst unter keinem guten Stern. Pünktlich bei Landung im rumänischen Sibiu öffnete Frau Holle ihre Pforten und ließ das malerische Transsilvanien in einem irren Schneechaos versinken. Sollte hier tatsächlich die nächste Spielabsage lauern? Um meinen Puls etwas zu senken, führte mich mein erster Weg direkt zum „Stadionul Municipal“, um die Funktionstüchtigkeit der Rasenheizung in Augenschein zu nehmen. Die sorgte mit Unterstützung vieler helfender Hände glücklicherweise für einen grünen Rasen und die ordnungsgemäße Durchführung des rumänischen Super Liga-Spiels zwischen AFC Hermannstadt und dem FC Arges. Generell war die Reise nach Rumänien eine der besten Touren des Jahres. Dies lag in erster Linie an der Hilfsbereitschaft der Vereinsverantwortlichen des AFC Hermannstadt und dem langjährigen Europapokal-Teilnehmer CFR Cluj, die sich sehr interessiert an meinem Blog zeigten und mir während der Spiele exklusive Einblicke in den rumänischen Ligaalltag ermöglichten!

Während der deutschen Sommerpause richtete sich mein „UEFA55“-Blick nach Island. Nachdem die Badehose gegen eine gefütterte Regenjacke getauscht wurde, ging es nach einem ausgiebigen Fußball-Stopp in der Hauptstadt Reykjavik mit der Hochsee-Fähre auf die vorgelagerten Westmänner-Inseln. Auf der Haupt(vulkan)Insel Heimaey wurde ich nicht nur mit einem der weltweit schönsten Stadien konfrontiert, sondern auch mit dem plötzlich umschlagenden Wetter und dem Einsetzen von starkem Nebel! Dem Schiedsrichter war es letztlich egal, da starker Nebel im Nordatlantik immer mal wieder vorkommen kann und im Gegensatz zu Deutschland nicht unbedingt ein außergewöhnliches Wetterphänomen darstellt. Auch wenn die Sichtverhältnisse an diesem Tag stark ausbaufähig waren, fand das Erstliga-Spiel zwischen IBV und HK Kopavogur regulär statt.

Im Herbst sollte der Trip durch die georgischen Fußballstadien der Erovnuli-Liga mein absolutes Jahreshighlight werden. Neben der Schönheit des Landes lag dies einmal mehr an der gelebten Gastfreundschaft meiner georgischen Gastgeber! Es ist jedenfalls nicht selbstverständlich, bei einem unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Abschlusstraining hautnah dabei sein zu dürfen und zudem noch Trainer und Sportmanager des späteren georgischen Fußballmeisters Dinamo Batumi kennenzulernen! Aber auch das Gesamtpaket aus Bade- und Urlaubsort (Batumi) sowie pulsierender Metropole (Tiflis) machte die Reise tatsächlich besonders. Wie schon bei meiner Vorjahres-Reise ins Nachbar- und Bruderland Armenien hat mich der Aufenthalt im georgischen Kaukasus sehr beeindruckt.

Das war mein kurzweiliges (Fußball-)Jahr 2023…eine weiterhin spannende Reise durch die Fußballstadien dieser Welt! Neben den vollständigen Geschichten aus England, Rumänien, Island und Georgien gibts auf dieser Webseite viele weitere Abenteuer aus diesem Jahr! Klickt Euch beispielsweise in den Roadtrip ins Nachbarland Belgien, die Hauptrunde der us-amerikanischen Major League Soccer in Philadelphia und New York City, den Conference-League-Elfmeter-Irrsinn von Belfast oder einen griechischen PAOK-Abend in Thessaloniki! Zudem findet Ihr viele weitere Fotos und bewegte Story-Bilder in den „Henning Loves Football“-Netzwerken bei Instagram und Facebook.

Herzlichen Dank für das weiterhin vorhandene Interesse an meinem Fußball-und Reiseblog und die vielen Interaktionen in den sozialen Netzwerken! Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr und würde mich freuen, wenn Ihr mir auch im neuen Jahr 2024 weiterhin gewogen bleibt!

STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!

  • Das Jahr 2023 begann mit einer Spielabsage bei den Forest Green Rovers! Der Platz war unbespielbar...