Auf der gut zweistündigen Autofahrt aus der bosnischen Hauptstadt Sarajevo in den herzegowinischen Hauptort Mostar wird man auf der atemberaubenden Strecke durch Berg und Tal grösstenteils von einem Fluss begleitet, der als einer der schönsten und naturbelassensten Ströme Europas gilt.

Die „Neretva“, welche knapp 60 Kilometer südlich von Sarajevo entspringt, gilt als der bedeutendste Fluss des Balkanlandes und mündet nach insgesamt 225 Kilometern Länge im kroatischen Ploce schlussendlich in die Adria. Der Gebirgsfluss entfaltet seine ganze Schönheit vor allem in der imposanten „Neretva-Schlucht“ und dem angrenzenden Stausee nahe der Ortschaft Jablanica. So richtig bekannt wird die „Neretva“ mit ihrer funkelnden smaragdgrünen Farbe allerdings erst im angesprochenen Mostar, wo sie gemeinsam mit der weltberühmten Bogenbrücke „Stari Most“ für die perfekte Postkartenidylle sorgt.

Wenn man als Tourist durch die sehenswerte Altstadt Mostars flaniert und den wagemutigen Brückenspringern dabei zuschaut, wie sie sich aus einer Höhe von 20 Metern in den Strom stürzen, merkt man bei all der friedlichen Idylle nicht, dass die „Neretva“ eigentlich ein Grenzfluss ist, der die 114.000 Einwohner Mostars aufgrund ihrer Ethnie und Religion voneinander trennt.

Um dies wenigstens ansatzweise zu erklären, muss man einen kleinen Abstecher in die Vergangenheit machen. Obwohl ich in meinem fußballbezogenen Blog ungerne über Politik und Kriege spreche, muss das diesmal tatsächlich sein! Die sogenannten „Jugoslawien-Kriege“, die in den 1990er-Jahren auf dem Balkan wüteten und den 1918 gegründeten Vielvölkerstaat mit seinen über 23 Millionen Einwohnern in sieben eigenständige Staaten aufteilte, trafen die bosnisch-herzegowinischen Landesteile in besonderem Maße. Dies lag an der ethnischen und religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung, die im Gegensatz zu Kroatien oder Slowenien weitaus vermischter war.

Da nicht jeder Kroate, Serbe, Bosniake, Christ oder Muslim seine Heimat nach dem Krieg mit über 100.000 Todesopfern verlassen wollte, ist das föderalistische Bosnien und Herzegowina in der Gegenwart ein recht kompliziertes Staatsgebilde aus zwei „Bundesländern“, die sich grösstenteils selbst verwalten. Während in der Föderation Bosnien und Herzegowina zumeist christliche Kroaten und muslimische Bosniaken leben, haben die serbischen Bosnier in der geografisch zweigeteilten Republik Srpska ihre alte Heimat erhalten. Trotz dieser räumlich-politischen Trennung einigten sich beide Gebiete auf Sarajevo als Hauptstadt, auch wenn die Republik Srpska mit Banja Luka einen separaten Verwaltungssitz wählte!

Obwohl die gemeinsame Kapitale Sarajevo fast 30 Jahre nach Kriegsende für eine Vereinigung der Kulturen steht, setzte mit der Neuorganisation des Landes in einzelnen Städten der bosnischen Föderation eine komplette Entmischung der Bevölkerung ein. Am Beispiel Mostar muss man konstatieren, dass es die gemeinsamen Stadtviertel nach dem Krieg einfach nicht mehr gab. Bis zum heutigen Tag leben die christlichen Kroaten, strikt getrennt von ihren Nachbarn, westlich des Flusses. Die muslimischen Bosniaken fanden ihre Heimat dementsprechend östlich der „Neretva“.

Von dieser ethnischen Trennung ist selbstverständlich auch der Fußball Mostars betroffen, welcher mit den beliebten Clubs FK Velež und HŠK Zrinjski durchaus zwei Schwergewichte der bosnisch-herzegowinischen Premijer Liga stellt.

Wie es der Name schon vermuten lässt, ist der „Hrvatski Sportski Klub Zrinjski“, also der kroatische Sportclub, im Westteil der Stadt ansässig und gilt mit acht Meisterschaften als erfolgreichster Fußballclub des souveränen Staates Bosnien und Herzegowina. Diese Meisterschaften hätte es vermutlich nie gegeben, wenn der jugoslawische Staatenbund weiterhin Bestand gehabt hätte. Denn hier war der 1905 gegründete und damit älteste Club Bosnien-Herzegowinas für fast schon absurde 47 Jahre gesperrt. Dies lag an der kommunistisch geführten Regierung Jugoslawiens, welche den Club nach dem 2. Weltkrieg aufgrund seiner vorherigen Teilnahme an der Liga des von den Nazis erschaffenen „Unabhängigen Kroatiens“ (1941 bis 1945) für immer aus dem Spielbetrieb nahm.

Mit der Unabhängigkeitserklärung Bosnien-Herzegowinas im Jahr 1992 kehrte Zrinjski auf die Fußballbühne zurück, wenngleich der Spielbetrieb aufgrund des kriegerischen und kulturellen Konfliktes bis bis zum Jahrtausendwechsel nur lokal bzw. innerhalb der einzelnen Ethnien organisiert wurde. Erst mit Einführung der bosnischen „Premijer Liga“ im Jahr 2000 und dem Zusammenschluss mit den Vereinen der Republik Srpska zur Saison 2002/2003 begann der Siegeszug von Zrinjski.

Leider erlebte der mit Abstand berühmteste Spieler, der je das Zrinjski-Trikot trug, die erste bosnische Meisterschaft zum Ende der Saison 2004/2005 nicht mehr mit. Der spätere kroatische Weltstar Luka Modric wurde im zarten Alter von 18 Jahren für die Saison 2003/2004 von GNK Dinamo Zagreb zum HSK Zrinjski ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Hier avancierte er mit 8 Toren in 22 Spielen direkt zum Spieler der Saison. Da der HSK in dieser Saison aber nur auf einem enttäuschenden elften Rang landete und die sportliche Entwicklung des Clubs stockte, verlieh der Stammverein aus Zagreb den jungen Modric sofort weiter zum kroatischen Verein Inter Zapresic. Eine gute Entwicklung nahmen letztlich beide, der HSK Zrinjski wurde nur eine Saison später erstmals bosnischer Meister, Modric startete auch in Zapresic durch und legte eine Karriere auf Weltklasse-Niveau hin!

Am 22. Spieltag der laufenden Saison kam es im sehenswerten Stadion „Pod Bijelim Brijegom“ zum Spitzenspiel des bosnisch-herzegowinischen Fußballs, in welchem der amtierende Meister Zrinjski als Zweiter auf Spitzenreiter FK Borac Banja Luka traf.

Das altehrwürdige Stadion wurde 1958 eröffnet und besteht momentan nur aus einer Tribüne, welche zugegeben äußerst monströs daherkommt. Obwohl die Tribüne nur für knapp 10.000 Zuschauer zugelassen ist, könnte man glatt das Doppelte an Besuchern auf dem Ding unterbringen! Das Stadion liegt selbstverständlich im Westteil der Stadt und wurde nicht immer vom HSK Zrinjski bespielt. Da der Verein über Jahrzehnte faktisch nicht anwesend war, spielte Rivale FK Velez bis zum Ende Jugoslawiens in diesem Stadion! Hier konnte Velez im UEFA-Cup der Saison 1987/1988 sogar den deutschen Club Borussia Dortmund mit 2:1 (0:0) schlagen! Aufgrund der ethnischen Trennung spielt Velez mittlerweile im 1995 erbauten Stadion Rodeni, das sich gemäß den „Regeln“ im nordöstlichen Teil der Stadt befindet.

Vor 2000 Zuschauern und jeder Menge Pyro-Technik siegte der Spitzenreiter aus der Republik Srpska in einem guten und intensiven Spiel mit 1:0 (1:0). Obwohl es auf beiden Seiten viele klare Torchancen gab, wollte der Ball bis auf diese eine Ausnahme nicht rein…sicher ein Verdienst der beiden überragenden Keeper Marko Maric (Zrinjski) und Marko Milosevic (Borac).

Mit dem Tor des Tages sicherte David Vukovic dem FK Borac Banja Luka eminent wichtige drei Punkte (33.) und könnte in der nächsten Saison als Meister in der Qualifikation zur UEFA Champions League antreten. Trotz eines Abstandes von 12 Punkten sollte man Verfolger Zrinjski aber nicht jetzt schon abschreiben. Dass der Club zurückkommen kann, bewies er in der diesjährigen Gruppenphase der UEFA Europa Conference League, als man den niederländischen Spitzenclub AZ Alkmaar nach 0:3-Rückstand zur Halbzeit noch mit 4:3 besiegen konnte. Es bleibt also noch ein wenig spannend.

Das war Mostar in Bosnien und Herzegowina. Wie gewohnt gibts in meinen Social-Media-Accounts bei Instagram und Facebook viele weitere Bilder und bewegte Storys. Natürlich auch vom Sightseeing in Mostar und der überragenden „Stari Most“, welche gemeinsam mit der Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde.

STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!