Auf meinen Reisen durch die europäischen Fußball-Ligen werde ich gelegentlich dazu befragt, welches Stadion bislang das Schönste war. Diese durchaus spezielle Frage aus der Kategorie „Sein oder Nichtsein“ ist vergleichbar mit der Wahl zur Miss Universum und kann am Ende des Tages eigentlich nur mit einem Satz beantwortet werden: Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters!

Dementsprechend fällt ein Ranking der schönsten Stadien Europas bei jedem von uns anders aus, da neben der bereits angesprochenen Schönheit noch andere Faktoren wie persönliche Erinnerungen und Emotionen eine ganz wichtige Rolle spielen!

Auch wenn ich bereits in den ganz großen Arenen Europas zu Gast sein durfte, wird man absolut beeindruckende Stadien wie San Siro, Santiago Bernabeu oder Wembley in meiner favorisierten Aufstellung vergeblich suchen!

An erster Stelle steht mit dem altehrwürdigen Ruhrstadion in Bochum natürlich die eigene fußballerische Heimat, in der man in den vergangenen 40 Jahren viele wunderschöne Momente erleben durfte, gefühlt aber noch mehr Enttäuschungen und Nackenschläge hinnehmen musste!

Danach folgen einige Stadien, die neben der besonderen Atmosphäre vor allem wegen der vielen zwischenmenschlichen Begegnungen in Erinnerung geblieben sind. Leider würde eine abschließende Aufzählung an dieser Stelle sicherlich den Rahmen sprengen. Trotzdem möchte ich mit dem mittlerweile stillgelegten „Victoria-Stadium“ von Gibraltar zumindest ein Stadion exemplarisch hervorheben, das mir in den vergangenen Jahren ganz viele besondere Fußballmomente schenkte und als Paradebeispiel für die Gastfreundschaft der gesamten europäischen Fußballgemeinschaft dient!

Wenn man allerdings sämtliche Emotionen in seinem Fußball-Herz einmal kurz unterdrückt und sich ausschließlich auf Innovation, Baukunst und Lage konzentriert, landet ein Stadion in der Spitzengruppe der schönsten Stadien Europas, das ich zum Ende des Sommers bereits zum zweiten Mal besuchen durfte.

Das sogenannte „Felsen-Stadion“ im nordportugiesischen Braga, offiziell „Estadio Municipal de Braga“, ist ein wirklich unfassbares Bauwerk. Und das, obwohl die Arena nur zwei Tribünen besitzt.

Die gut 30.000 Zuschauer fassende Arena wurde anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2004 in einem ehemaligen Steinbruch erbaut. Herzstück des Stadions sind die bereits erwähnten Tribünen an den Längsseiten des Spielfeldes. Um die Tragfähigkeit der weit hervorstehenden Tribünendächer sicherzustellen, wurden die beiden monströs erscheinenden Bauwerke mit Hilfe von mehr als 80 Stahlseilen quer über das Spielfeld miteinander verbunden. So richtig mystisch wird das Stadion allerdings erst bei Sonnenuntergang, wenn das beeindruckende Felsmassiv hinter dem Tor durch das abendliche Flutlicht in Szene gesetzt wird. 

Während die südlich gelegene Tribüne perfekt in den Steinbruch integriert wurde und von den Zuschauern ausschließlich über die Dachkonstruktion zu betreten ist, kann man sich auf der gegenüberliegenden Nordseite auch von außen von der herausragenden Architektur-Kunst überzeugen. Abgerundet wird dieses Stadion von einem Tunnel, durch den die Mannschaften mit ihrem Bus direkt unter die südlich gelegene  Haupttribüne fahren und sich mit einem Aufzug durch das Felsmassiv zu ihrer Umkleidekabine kämpfen!

In der Play-off-Runde zur Ligaphase der UEFA Europa League trafen die Lincoln Red Imps aus Gibraltar auf den Hausherren SC Braga. Was auf dem Papier nach einer schier unlösbaren Aufgabe für die tapferen Imps aussah, wurde auch in der Realität nicht wirklich besser.

Bereits im Hinspiel siegte der Favorit aus Braga im gibraltarischen Exil von Faro mit 4:0 (2:0). Deshalb musste man für das Rückspiel im angesprochenen Felsenstadion kein ganz großer Prophet sein, um zu wissen, dass der Drops bereits gelutscht war.

Vor allem dann, wenn man sportlichen Erfolg an Kaderwerten festmacht. Hier lag der portugiesische Spitzenclub mit 135 Millionen Euro Markwert dann doch klar vorne. Der gibraltarische Serienmeister kommt immerhin auf 2,18 Millionen Euro Kaderwert und bewies damit, dass man sich auch mit Herz und Einstellung durch vier europäische Qualifikationsrunden spielen kann!

Auch im Rückspiel ließ die Mannschaft des diesmal auf der Bank sitzenden Kapitäns Joao Moutinho (39) gar keine Zweifel aufkommen, wer der Herr im Hause ist. Obwohl die Kobolde aus Gibraltar an diesem Tag durchaus ansprechend agierten, manövrierten sich die Portugiesen mit ihrer individuellen Klasse immer wieder in gefährliche Offensiv-Aktionen. Der grösste Unterschied zwischen krassem Aussenseiter und ausgebuffter Spitzenmannschaft wurde mal wieder kurz vor der Halbzeit ersichtlich. Bis zur 41. Minute stand es nur 1:0 für Sporting Braga. Die Imps machten es zu diesem Zeitpunkt sehr gut und konnten gefährliche Situationen mit viel Leidenschaft und Geschick entschärfen. Dann setzte allerdings die bei großer Belastung nicht zu vermeidende Konzentrationsschwäche ein, die der SC Braga eiskalt ausnutzte und die Führung auf 3:0 hochschraubte. 

Am Ende stand es 5:1 (3:0) für den haushohen Favoriten aus Braga, der damit in die Ligaphase der UEFA Europa League einzog. Auch wenn der Sieg für den Sporting Club hochverdient war, sorgten die Imps in der 2. Halbzeit für meine persönlichen Höhepunkte des Spiels. Neben dem Ehrentreffer von Kike Gomez (89.), der von den den 12.125 Heimfans mit anerkennendem Applaus honoriert wurde, schenkte Imps-Trainer Juan Bezares der mittlerweile 43-jährigen Fußball-Legende Lee Casciaro noch gute zehn Spielminuten!

Zum Abschluss des Blogs gibt’s dann auch noch ein richtiges Happy-End. Durch den Einzug in die Play-Off-Runde der UEFA Europa League waren die Lincoln Red Imps bereits vor dem Spiel fest für die Ligaphase der UEFA Conference League qualifiziert. Ein bemerkenswerter Erfolg für den gibraltarischen Fußball und erst das zweite Mal, dass sich eine Mannschaft vom Felsen für eine europäische Endrunde qualifizierte. Das Kunststück gelang den Imps bereits in der ersten Auflage des Wettbewerbs in der Saison 2021/2022. Herzlichen Glückwunsch…wir sehen uns in der Ligaphase!!!

In meinen Social-Media-Netzwerken bei Instagram und Facebook gibt’s bewegte Story-Bilder und weitere Eindrücke aus dem Steinbruch in Braga. Klickt Euch doch gerne mal durch!

STAY TUNED…bleibt auf Empfang!