Nach dem torreichen Auftakt in der Astana Arena stand nur einen Tag später die zweite Begegnung in der „Kazakhstan Premier League“ auf dem Programm. 

Während der Fokus beim Spiel des FK Zhenis noch auf dem Abstiegskampf lag, stand bei der Partie von Hauptstadt-Rivale FC Astana die Spitzengruppe der Tabelle im Vordergrund. Drei Spieltage vor Saisonende musste die Mannschaft von Trainer Grigoriy Babayan unbedingt gewinnen, um im spannenden Meisterrennen mit Tabellenführer FC Kairat Almaty weiterhin in Schlagdistanz zu bleiben. Ein möglicher Gewinn der diesjährigen Meisterschaft wäre für den ambitionierten Rekordmeister Kasachstans der erste Meistertitel seit drei Jahren und gleichbedeutend mit der Rückkehr in die europäische Königsklasse.  

Der FC Astana ist ein relativ junger Verein, der im Jahr 2009 aus der Fusion der beiden Erstligisten FK Almaty und FK Megasport hervorging. Bemerkenswert ist hierbei, dass beide Fusionsclubs aus der ehemaligen Hauptstadt Almaty stammen. Nach dem Zusammenschluss entstand mit großer finanzieller Unterstützung der kasachischen Eisenbahngesellschaft KTZ zunächst der FK Lokomotive Astana, welcher getreu seines Namens in die knapp 1400 Kilometer entfernte neue Hauptstadt Kasachstans umgesiedelt wurde. Zwei Jahre nach Vereinsgründung erhielt der Club seinen aktuellen Namen, mit dem man in der Folge einen Titel nach dem anderen einheimsen konnte!

Gut 16 Jahre nach Vereinsgründung ist der FC Astana mit sieben Meistertiteln und drei Pokalsiegen der erfolgreichste Club des Landes. Grösster internationaler Erfolg war die Teilnahme an der Gruppenphase der UEFA Champions League 2015/2016 als erster kasachischer Verein überhaupt.

Am bereits angesprochenen 24. Spieltag reiste die Mannschaft des FC Astana in die etwas mehr als 300 Kilometer entfernte Gemeinde Kokshetau, welche aus der Hauptstadt recht komfortabel über die gut ausgebaute Autobahn A1 erreichbar ist. 

Was sich für westeuropäische Ohren vergleichsweise weit anhört, ist in der Liga des grössten Binnenlandes der Welt fast schon ein lokales Nachbarschaftsduell. Bei einem Blick in das Profil der „Kazakhstan Premier League“ fällt nämlich auf, dass man Fußball-Ballungszentren wie das deutsche Ruhrgebiet oder die britische Hauptstadt London in Kasachstan vergeblich sucht. Momentan ist die im Norden des Landes gelegene Kapitale Astana mit ihren Clubs FK Zhenis und FC Astana die einzige Stadt mit zwei Erstligisten. Die übrigen zwölf „Premier League“-Teilnehmer der Saison 2025 sind mehr oder weniger über das gesamte Land verstreut und müssen auf emotionsgeladene Derbys verzichten. Dementsprechend macht es für die kasachischen Vereine durchaus Sinn, auf luxuriöse und teure Mannschaftsbusse zu verzichten und sich bei der komplexen Reiseplanung auf das Sammeln von Flugmeilen zu konzentrieren. 

Als bestes Beispiel für die teilweise erheblichen Distanzen gilt das Ost-West-Duell zwischen dem FC Yelimai Semei und dem FC Atyrau. Um diese Partie als Auswärtsfan tatsächlich erleben zu können, sollte man sich mit seinem Gefährt zeitig auf den Weg machen. Der allseits beliebte Routenplaner aus dem Internet schätzt die Fahrtdauer auf 33 Stunden, aber auch nur dann, wenn man auf den knapp 2.900 Kilometern lediglich eine kurze Pinkelpause einlegt. Eine weitere Paarung, die bei stockendem Verkehr ganz viel gute Laune versprüht, ist das Duell zwischen den Spitzenclubs Kairat Almaty und FK Aqtöbe. Die Entfernung liegt bei ungefähr bei 2.100 Kilometern und wäre vergleichbar mit einem Bundesligaspiel des VfL Bochum 1848…und zwar bei Benfica Lissabon.

Im Duell mit dem in Kokshetau ansässigen Ligakonkurrenten FC Okzhetpes -immerhin Gründungsmitglied des kasachischen Liga-Oberhauses- tat sich der unter Zugzwang stehende Favorit aus Astana vor 2.500 Zuschauern lange Zeit sehr schwer. Die im Niemandsland der Tabelle befindlichen Gastgeber hatten bei nasskalten Bedingungen richtig Lust, den Meisterschaftsaspiranten kräftig zu ärgern. 

Dementsprechend musste die aus acht Nationen bestehende Weltauswahl des FC Astana an diesem Tag die volle Leistung abrufen, um sich gegen diszipliniert auftretende Gastgeber durchzusetzen. Am Ende gewann der FCA auf dem Kunstrasen des altehrwürdigen Städtischen Stadions durch zwei Foulelfmeter des Albaners Gripshi (5., 81.) etwas glücklich mit 2:1 (1:0) und blieb an dem Spitzenreiter aus Almaty dran. Auch wenn beide Elfmeter-Entscheidungen von Schiedsrichter Abdullaev durch den ebenfalls eingesetzten VAR bestätigt wurden, war man auf Seiten der Gastgeber bei Abpfiff sehr unzufrieden und vermutete diesen unbeschreiblichen Bonus, den ganz viele Spitzenteams auf dieser Welt besitzen.

Nach Spielende wunderte ich mich über die vielen Autogramm- und Fotowünsche bei einem eher unscheinbaren Spieler des FC Okzhetpes. Hierbei handelte es sich um den 23-jährigen Brasilianer Enzo Mendes Vieira, der erst in der 77. Spielminute eingewechselt wurde und sportlich nur wenige Akzente setzen konnte. Trotzdem musste dieser junge Bursche mit der Rückennummer 42 irgendetwas besonderes haben, das die vielen Fans nach Spielende so verzückte. 

Ein Blick in die sozialen Medien brachte einen ersten Anhaltspunkt. Kann ein durchschnittlicher Spieler in der kasachischen Fußball-Provinz bei Instagram tatsächlich über 100.000 Follower kreieren und dort mit Weltstars wie Messi und Ronaldo posieren? Auch wenn man bislang „nur“ in der U23 des portugiesischen Zweitligisten Leixoes SC spielte und mit einem überschaubaren Marktwert von 25.000 Euro ausgestattet ist?

Ja, das geht wenn man der Sohn des Futsal-Legenden-Spielers Falcao ist, der in 201 Länderspielen für Brasilien unfassbare 339 Tore schoss und mehrfach den Goldenen Ball der FIFA gewinnen konnte. Während diese besondere Form des Hallen-Fußballs in Deutschland bislang noch nicht wirklich angekommen ist, genießen die Futsal-Stars in Süd- und Osteuropa das große Prestige innerhalb ihrer riesengroßen Fan-Base!

Zum Abschluss bleibt noch die Frage zu klären, ob der FC Astana tatsächlich die diesjährige Meisterschaft gewinnen konnte? Am 26. und letzten Spieltag traf man im direkten Showdown auf den FC Kairat Almaty. Nach dem Führungstreffer des ehemaligen 1860-Löwen Tomasov (15.) war der FC Astana dem Titel so nah wie lange nicht mehr. Dass es letztlich doch nicht klappte, lag an dem erst 17-jährigen Dastan Satpaev, der Kairat mit seinem Ausgleichstreffer zum 1:1-Endstand die 2. Meisterschaft in Folge schenkte!

Natürlich gibt es in meinen Social-Media-Netzwerken bei Instagram und Facebook wie gewohnt bewegte Story-Bilder und weitere Eindrücke aus dem Stadion der 180.000-Einwohner-Gemeinde Kokshetau! Klickt Euch doch einfach mal rein, es lohnt sich! Aus Astana ging die Reise weiter nach Almaty, dem kulturellen Zentrum des Landes schlechthin. Hier wartete ein durchaus historisches Spiel…mehr dazu in Kürze!

STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!