Die berühmten Italo-Western-Filme wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ besitzen in der Regel einen ähnlich aufgebauten Handlungsstrang. Insbesondere beim großen Finale setzten die Regisseure in den 1960er-Jahren auf ein bewährtes und vor allem spannendes Action-Element…den sogenannten „Showdown“!
Mit dem Einsetzen von dramatischer Musik kommt es zu einem extrem stilisierten und lang hinausgezögerten Duell, bei dem der Held seine Gegner am Ende gnadenlos niederschießt. Der „Showdown“ spielt oftmals auf einem staubigen Platz im menschenleeren Nirgendwo, auf welchem die durchs Bild gewehten Strohballen die absolute Einöde der menschenfeindlichen Gegend dokumentieren!
Wer diese klassische Westernfilm-Szene unter gleißender Sonne schon einmal gesehen hat, kann sich bildlich vorstellen, wie ich meine Ankunft auf dem nahezu auto- und menschenleeren Schotter-Parkplatz am Stadion der irischen Gemeinde Longford wahrgenommen habe. Wenn hier nur sechzig Minuten später tatsächlich eine Begegnung der zweiten irischen Liga stattfinden sollte, müssen sich alle Protagonisten gut versteckt haben!
Dementsprechend stand nach der Ankunft erst einmal eine umfangreiche Internetrecherche auf dem Programm, um mögliche Fehler bei der Spielplanung auszuschließen.
Knapp dreißig Minuten vor Spielbeginn tat sich am Stadion dann aber doch noch etwas, was zur allgemeinen Erleichterung beitrug: Der zuvor völlig verrammelte Eingangsbereich zum Stadion wurde tatsächlich geöffnet! Durch den Rahmen der geöffneten Stahltür trat in der Folge ein netter Mitsechziger, der mir allein mit seinem Blick zu verstehen gab, dass am Ende immer alles gut wird!
Im äußerst gemütlichen Stadion „Bishopsgate“ traf der heimische Verein Longford Town FC am 22. Spieltag der „League of Ireland First Division“ auf Hauptstadtclub UC Dublin (UCD). Bei Anpfiff von Schiedsrichter Oisin Walsh durfte ich konstatieren, dass sich der Parkplatz innerhalb kürzester Zeit doch noch füllte. Das nenne ich perfektes Zeitmanagement…zumindest bei den anderen Besuchern!
Am Ende waren es dann insgesamt 426 Zuschauer, die das Duell gegen den Universitätsclub aus Dublin verfolgen wollten. Darunter befanden sich sogar acht unentwegte Auswärtsfans, die den 120 Kilometer langen „Landstraßen“-Weg aus der Hauptstadt auf sich nahmen.
Irlands zweite Liga besitzt wie ihr Pendant aus den Niederlanden eine bemerkenswerte Besonderheit: Keiner der zehn teilnehmenden Vereine kann sportlich in den drittklassigen Amateurbereich absteigen. Allerdings achtet der irische Fußballverband FAI äußerst penibel auf solide Finanzen und regelt einen Austausch zwischen zweiter und der mehrgleisigen dritten Liga mit der Neuerteilung oder dem Entzug von Lizenzen!
Der Verein Longford Town FC wurde im Jahr 1924 gegründet und verbrachte die ersten sechzig Jahre seines Lebens in den Niederungen des irischen Amateurfußballs. Nach dem erstmaligen Aufstieg in den Profibereich der „League of Ireland“ im Jahr 1984 spielte man bis zum heutigen Tag immer mindestens zweitklassig. Seine vermeintlich beste Phase hatte der Club zweifellos Anfang der 2000er-Jahre, als man zwei Jahre in Folge den irischen Pokalwettbewerb gewinnen konnte und damit sogar europäisch spielen durfte. Die Auftritte im Vorgänger-Wettbewerb der UEFA Europa League, dem UEFA Pokal, verliefen allerdings absolut ernüchternd. Hier kam man nie über die 1. Qualifikationsrunde hinaus und zog gegen vermeintlich schlagbare Gegner wie Litex Lovetsch (Bulgarien), Carmarthen Town (Wales) und dem Liechtensteiner FC Vaduz nach Hin- und Rückspiel den Kürzeren.
In der jüngeren Vergangenheit spielte die Mannschaft mit dem wenig einfallsreichen Spitznamen „De Town“ zuletzt in der Kalenderjahr-Saison 2021 erstklassig. Im Duell mit dem leicht favorisierten Gast aus Dublin deutete sich in der ersten Halbzeit an, dass man auch in dieser Saison keine größeren Ambitionen auf eine Erstligarückkehr besitzen dürfte.
Die Mannschaft des „University College“ war in allen Belangen überlegen und musste sich zur Halbzeitpause den Vorwurf gefallen lassen, warum man nur mit 1:0 führte. Das Tor erzielte Ciaran Behan per Kopf in der 22. Spielminute. In der zweiten Halbzeit zeigten sich die Gastgeber zwar etwas griffiger, versprühten aber lange Zeit überhaupt keine Torgefahr. Dementsprechend plätscherte die Partie so vor sich hin. Gerade als ich über einen frischen Kaffee gegen die aufkommende Müdigkeit nachdachte, fiel aus dem Nichts der Ausgleich für die Heimmannschaft. Longfords Dean Williams nahm sich aus 18 Metern einfach mal ein Herz und hämmerte den Ball ins Tor (62.).
Der Ausgleichstreffer zeigte bei beiden Mannschaften sofort Wirkung und bewies einmal mehr, dass Fußball in jeder Phase ein völlig unberechenbares Spiel ist! Während beim UCD nun überhaupt nichts mehr lief, wollten die Gastgeber das Spiel unbedingt drehen. Und das sollte tatsächlich gelingen. In der 77. Minute vollendete Daragh Murtagh eine scharfe Flanke von Jake Hough zum nicht mehr für möglich gehaltenen 2:1 (0:1)-Siegtreffer.
Wer nach Abpfiff allerdings ausgelassene Feierlichkeiten zwischen Fans und Mannschaft erwartete, wurde bitter enttäuscht. Nach dem freundlich-beherrschten Applaus leerten sich Stadion und Parkplatz genauso kurzfristig, wie sie sich vor dem Spiel füllten.
Natürlich findet Ihr die passenden Bilder und bewegten Storys aus dem Stadion an der Strokestown Road wie gewohnt in meinem Instagram-Netzwerk. Schaut doch einfach mal rein!
STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!
Auf all meinen Reisen durch die Fußballstadien dieser Welt ist Aktualität ein wichtiger Bestandteil meiner Homepage! Leider bieten manche Reiseziele nicht genug „Futter“ für einen ausführlichen Spiel- und Reisebericht oder sind wiederum so intensiv, dass ich für einen umfangreichen Blog mehr Zeit und Inspiration benötige.
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