Ab kommenden Donnerstag gibt es wieder die volle Dosis Europapokal. Nach der Königsklasse und der UEFA Europa League startet nun auch der jüngste Pokalwettbewerb des europäischen Fußballverbandes in die spannende Ligaphase. An der UEFA Conference League 2026/2027 nehmen wie in der vergangenen Spielzeit insgesamt 36 Mannschaften teil, die zwar unterschiedliche Ambitionen besitzen, aber einen gemeinsamen Traum verfolgen: Das Erreichen des großen Endspiels im Besiktas-Park von Istanbul!

Bis der Nachfolger des englischen Vorjahressiegers Crystal Palace FC allerdings gefunden ist, stehen uns hoffentlich viele interessante und dramatische Duelle bevor. Bei einem Blick auf das diesjährige Teilnehmerfeld der Hauptrunde findet man neben arrivierten Traditionsvereinen wie dem AFC Ajax, AS Monaco oder Mo Salah´s neuem Verein Trabzonspor auch wieder Clubs, für die das Europapokalgeschäft „nach der Qualifikation“ nicht unbedingt alltäglich ist. Als gute Beispiele taugen der finnische Landesmeister Kuopion PS, der belgische Erstligist VV St. Truiden oder der Madrider Vorortclub Getafe CF.

Auch für mich geht die wilde Fahrt wieder los, diesmal allerdings mit einem roten Faden. Während in den vergangenen Jahren möglichst viele Vereine und Länder auf dem Flugplan standen, konzentriere ich mich in dieser Saison vorerst auf einen Club. Hierbei handelt es sich, für viele vermutlich wenig überraschend, um den gibraltarischen Rekordmeister Lincoln Red Imps FC. Der Underdog aus dem britischen Überseegebiet konnte sich nach den Spielzeiten 2021/2022 und 2025/2026 ein drittes Mal für die Hauptrunde der „Konferenz“ qualifizieren und ist für mich mittlerweile eine echte Herzensangelegenheit.

Der äußerst steinige Weg in die Hauptrunde der UEFA Conference League 2026/2027 begann für die roten Kobolde wie gewohnt in der ersten Qualifikationsrunde der UEFA Champions League. Dort hatte man mit dem andorranischen Konkurrenten Inter Club d´ Escaldes in zwei Spielen (3:1 und 1:1) keine größeren Probleme und traf in der zweiten Runde der Königsklassen-Quali auf den schwedischen Überraschungsmeister Mjällby AIF. Obwohl man sich gegen die Mannschaft um den schwedischen WM-Teilnehmer Elliot Stroud tapfer schlug, stieg man schon aufgrund der 0:3-Niederlage aus dem Hinspiel in die dritte Runde der Qualifikation zur UEFA Europa League ab.

Hier traf man auf den zypriotischen Hauptstadtclub Omonia FC. Was sich aus dem Bauch heraus nach einem Duell auf Augenhöhe anhört, musste man nach dem Blick auf die Marktwerte beider Teams weitaus pessimistischer bewerten. Selbst die Mannschaft des amtierenden zypriotischen Meisters ist mit einem erstaunlichen Marktwert von knapp 20 Millionen Euro ausgestattet und auf dem nüchternen Papier damit zehnmal so wertvoll wie der aktuelle Kader der Red Imps. 

Glücklicherweise werden die sportlichen Vergleiche des Fußballsports am Ende immer noch auf dem Platz und nicht in den Internetforen der Spielerberater entschieden. Unglücklicherweise scheint es aber auch ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass der Favorit in neun von zehn Fällen mit einem blauen Auge davonkommt. Im vorliegenden Fall gewann der Club aus Nikosia in zwei Spielen hauchdünn mit 2:1 und katapultierte die Red Imps nochmal eine Etage tiefer.

Die abschließenden Playoffs zur Ligaphase der UEFA Conference League sind für alle Qualifikanten so etwas wie die letzte Chance, um die mühsam erkämpfte Teilnahme am Europapokal auch auf dem finanziellen Sektor nachhaltig abzusichern. Dementsprechend gibt es nach diesem echten Showdown auch nur zwei Stimmungslagen: „Himmelhochjauchzend“ oder „zu Tode betrübt“! Dies liegt an der Tatsache, dass es in den Playoffs zur „Konferenz“ im Vergleich zu den Entscheidungsspielen in der Königsklasse bzw. Europa-League keinen Rettungs-Fallschirm gibt, mit dem ein Club trotz Niederlage doch noch sanft in eine Ligaphase einschwebt. Konkret bedeutet dies, dass die Europapokalsaison für alle Verlierer der Conference-Playoffs sofort beendet ist, bevor sie so richtig beginnen konnte.

Das Playoff-Duell zwischen den Red Imps und dem nordirischen Champion Larne FC sollte an Dramatik und Spannung tatsächlich nicht zu überbieten sein. Nach einer bitteren 0:2-Heimniederlage im Europa-Point-Stadion von Gibraltar mussten die deprimierten Imps im Rückspiel alles riskieren. Was sich immer sehr einfach und ambitioniert anhört, ist in der Realität allerdings sehr schwierig umsetzbar. Obwohl man tatsächlich alles versuchte, wollte der dringend benötigte Befreiungsschlag nicht gelingen. Zumindest bis zur 82. Spielminute, als Kike Gomez seine Mannschaft mit einem feinen Schlenzer doch noch in Führung brachte. Das Tor war der Dosenöffner für eine Schlussoffensive, in welcher Manu Toledano nur wenig später auf 2:0 erhöhte und seine Mannschaft in die nicht mehr für möglich gehaltene Verlängerung beförderte (85.). Als wenn das alles nicht schon wahnsinnig genug wäre, zeigte der bulgarische Schiedsrichter Radoslav Gidzhenov in der 120. Minute völlig zurecht auf den Elfmeterpunkt. Toledano ließ sich die Chance nicht nehmen und knallte den Elfer einfach in den Winkel. Mit dem unfassbaren 3:0 (0:0)-Auswärtssieg zog man doch noch in die Ligaphase der UEFA Conference League 2026/2027 ein und hinterließ völlig konsternierte Nordiren, die im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nehmen müssen. 

Einziger Wermutstropfen für mich persönlich war der Umstand, dass ich bei diesem Spiel aufgrund eines wichtigen Termines nicht live dabei sein konnte. Somit blieb es in der Qualifikation lediglich beim bereits angesprochenen Champions-League-Auswärtsspiel bei Mjällby AIF. 

Der Verein aus dem gleichnamigen südschwedischen Dorf wurde 1939 gegründet und war bis zum vergangenen Jahr eigentlich nur den Insidern der schwedischen „Allsvenskan“ ein echter Begriff. In der Kalenderjahr-Saison 2025 verzückte der Club nicht nur die 1.319 Einwohner seines Heimatortes sondern auch viele Fußballromantiker auf dem gesamten europäischen Kontinent. Am Ende dieser historischen Spielzeit konnte man erstmalig den schwedischen Meistertitel gewinnen und verwies vermeintliche Schwergewichte wie Malmö FF, Djurgardens IF oder Elfsborg auf die Plätze.

Mit dem sensationellen Meistertitel durfte die Mannschaft von Trainer Karl Aksum selbstverständlich auch in der Qualifikation zur UEFA Champions League antreten. In der 2. Qualifikationsrunde kam es zum Aufeinandertreffen mit meinen Lincoln Red Imps. 

Im Stadion der Nachbargemeinde Hällevik konnte man den Stolz der heimischen Zuschauer auf die bevorstehende Europapokal-Premiere förmlich fühlen. Obwohl die schillernde Champions League-Hymne in der Qualifikation noch fehlte, schauten sich viele Zuschauer bei Anpfiff des maltesischen Schiedsrichters Matthew de Gabriele fast schon ungläubig an.

Vor 3.523 Zuschauern drückten die Gastgeber im Stadion „Strandvallen“ mächtig aufs Tempo. Obwohl die Imps im Defensivbereich vieles gut machten und immer wieder für Entlastung sorgen konnten, nutzten die spielerisch überlegenen Schweden wirklich jede kleine Nachlässigkeit des Gegners und führten nach einer halben Stunde humorlos mit 3:0. In der Halbzeitpause muss Imps-Trainer Juanma Pavon seinen Taktik-Fokus auf die absolute Schadensbegrenzung gelegt haben, da in der zweiten Halbzeit keine Tore mehr fielen. 

Nach dem torlosen Unentschieden im Rückspiel von Gibraltar trennten sich die Wege beider Teams zunächst. Vielleicht kommt es aber schon bald zu einem erneuten Duell am Ostseestrand von Hällevik, da letztlich beide Teams in der Ligaphase der „Konferenz“ landeten. Dies wäre frühestens in der sogenannten Zwischenrunde möglich. 

Für die Imps stehen in den kommenden Wochen viele interessante Europapokal-Aufgaben an. Zum Abschluss der Ligaphase gehts ins Stade Louis II von AS Monaco! Die Fotos und Blogs von diesen Auftritten findet Ihr selbstverständlich demnächst hier auf meiner Homepage und den angeschlossenen Social-Media-Auftritten. Klickt Euch doch mal in mein Instagram-Netzwerk.

STAY TUNED….von Mjällby nach Monte Carlo!