Als sich der professionelle Vereinsfußball zu Beginn der 1990er-Jahre vom gewaltdurchzogenen Nischenprodukt einer größtenteils männlichen Zuschauerschaft in ein gesamtgesellschaftliches Großereignis verwandelte, wurden Fußballvereine oftmals von lokalen Geschäftsleuten gesponsert, die ihr Vermögen in erster Linie aus reiner Zuneigung und Vereinsliebe investierten. 

Zu dieser Zeit besaß der Sport noch diese manchmal schwer zu beschreibende Normalität, die im heutigen „Milliardengeschäft Fußball“ mittlerweile komplett fehlt. Die glanzvolle Riege der Mäzene und Sonnenkönige produzierte auch ohne vorherige Pressefreigabe ganz viele Geschichten abseits des Platzes, die es in der politisch korrekten Fußballwelt der Gegenwart so vermutlich nicht mehr geben wird. 

Exemplarisch wäre hier der 2005 verstorbene Kölner Unternehmer Jean Löring zu nennen. Der langjährige Patron des SC Fortuna Köln gab seinen Trainern gelegentlich nicht nur die Mannschaftsaufstellung vor, sondern entließ sie in einem Wutanfall bereits in der Halbzeitpause. Dies passierte kurz vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1999 keinem geringeren als dem ehemaligen Nationaltorhüter Harald „Toni“ Schumacher, der während des Zweitligaspieles gegen Waldhof Mannheim bei einem 0:2-Halbzeitrückstand noch vor Wiederanpfiff seinen Spind räumen musste. 

Aber auch die vielen Anekdoten von Präsidenten wie dem Nürnberger Teppich-Großhändler Michael A. Roth, dem 1860-Gastronomen Karl-Heinz Wildmoser oder dem Schalker Günther Eichberg trugen dazu bei, dass der Fußball heute mehr als nur ein Spiel ist!

Mit dem Einzug des ganz großen Geldes hat sich die Sponsoring-Struktur im Profifußball signifikant verändert. Heute reicht der Gewinn eines gut laufenden mittelständischen Unternehmens im Rohrleitungsbau nicht mehr aus, um einen Spieler für 10 Millionen Euro Ablöse finanzieren zu können. Auch wenn „Einzelsponsoren“ wie die milliardenschweren Unternehmer Klaus-Michael Kühne und Dietmar Hopp weiterhin aktiv sein werden, geht der Trend mittlerweile klar in eine andere Richtung!

Die sogenannte „Multi Club Ownership (MCO)“, also der Mehrfachbesitz von Fußballvereinen, ist momentan das beliebteste Geschäfts- und Sponsoring-Modell im modernen Fußball. Hier halten potente Investoren oder Investmentfirmen gleichzeitig Anteile an mehreren Vereinen und globalisieren damit die Ausrichtung der zuvor eigenständigen Clubs. Allein in Europa sind nach Angaben der UEFA bereits 180 Clubs eingebunden…Tendenz steigend. Das kontrovers diskutierte Modell wird vor allem im deutschsprachigen Raum äußerst kritisch gesehen und in letzter Konsequenz mit Hilfe der sogenannten 50+1-Regel weitestgehend verhindert. 

Weitaus positiver dürfte das schwer zu durchschauende Geschäftskonstrukt in der nordenglischen Metropole Manchester betrachtet werden. Dort wurde im Jahr 2008 das bislang erfolgreichste Jointventure der „MCO“ erschaffen, als Scheich Mansour bin Zayid Al Nahyan aus Abu Dhabi den chronisch erfolglosen Club Manchester City übernahm und dank der Investition von unfassbaren Geldsummen innerhalb kürzester Zeit an die Weltspitze führte. Mit Hilfe der großzügigen Unterstützung konnten die Citizens neben der UEFA Champions League (2023) insgesamt acht englische Meisterschaften feiern. Eine Erfolgsbilanz, die sich schon jetzt sehr gut anhört, vermutlich aber lange noch nicht abgeschlossen ist.  

Mit der anschließenden Gründung der „City Football Group“ im Jahr 2013 wanderte die DNA des „Blue Moon“ in der Folge um den gesamten Globus. Mittlerweile besitzt die Investmentgruppe aus den Emiraten neben dem englischen Club elf weitere Vereine in der ganzen Welt. 

Während Traditionsvereine wie der sizilianische FC Palermo oder der brasilianische Club EC Bahia nach der Übernahme ihre individuelle Identität behielten, finden sich im Portfolio der City-Holding auch Clubs, die komplett ins himmelblaue City-Imperium assimiliert wurden. Die betreffenden Vereine unterscheiden sich in Sachen Vereinsfarbe, Trikot, Werbepartner und Wappen überhaupt nicht vom Original aus Manchester.

Bei den Doppelgängern handelt es sich allerdings um verhältnismäßig traditionslose Vereine, die entweder durch die „City Football Group“ gegründet (New York City FC in der MLS) oder zuvor im sogenannten Franchise-System geführt wurden (Mumbai City FC in der Indian Super League).

Auch auf dem weit entfernten „fünften Kontinent“ hat die „City Football Group“ bereits nachhaltige Spuren hinterlassen. Im Jahr 2014 wollte man einen eigenen Club im australischen Fußballsystem etablieren und übernahm die Franchise-Lizenz des A-League-Clubs Melbourne Heart. Nach vollzogener Übernahme änderten die Verantwortlichen nicht nur den Vereinsnamen in Melbourne City FC, sondern auch gleich die Vereinsfarben -von rot-weiss in das gewünschte city-himmelblau-. Was in vielen Teilen der Welt zu höchst emotionalen Demonstrationen der Anhängerschaft geführt hätte, verlief in diesem Fall nahezu störungsfrei. Dies lag an der kurzen Historie des Melbourne Heart FC, der zuvor auch nur vier Jahre existierte und sportlich durchgehend enttäuschte.

Obwohl das Investment in Australien im Vergleich zu den europäischen Märkten überschaubar gewesen sein dürfte, funktionierte das Experiment auch in „Down Under“. In den vergangenen zwölf Jahren konnte die Mannschaft aus der zweitgrössten australischen Metropole einen Pokalsieg sowie zwei Meisterschaften feiern (2021 und 2025) und damit endgültig den Konkurrenzkampf mit dem Stadtrivalen Melbourne Victory aufnehmen. 

Nach der Meisterschaft in der vergangenen Saison läuft es in der aktuellen Spielzeit allerdings nicht besonders rund. Am 13. Spieltag traf der amtierende Meister im heimischen AAMI-Park auf die Mannschaft des Auckland FC. Der Gast aus der neuseeländischen Hauptstadt ist eine von zwei Mannschaften aus dem Nachbarland, die sich aus Gründen der Professionalisierung dem sportlich stärkeren Wettbewerb in Australien stellen. Der 2023 gegründete Auckland FC ist allerdings nicht mit dem Auckland City FC zu verwechseln, welcher im semi-professionellen Ligasystem Neuseelands spielt und bei der FIFA Club WM in den USA eine satte 0:10-Pleite gegen den FC Bayern München einstecken musste. 

Bevor es zum Duell zwischen Meister und aktuellem Tabellenführer der A-League kommen sollte, gab es im schicken AAMI-Park ein weiteres Erstliga-Duell. Hier trafen die Frauen von Melbourne City in der A-League Women auf die Frauen-Mannschaft der Newcastle Jets. Was man als Europäer etwas despektierlich als eine Art Vorspiel wahrnimmt, fällt in Australien unter den Oberbegriff der Gleichberechtigung. Hier fiel auf, dass Frauen- und Männerfußball unter dem Dach der professionellen „A-League“ vermarktet werden und in den sozialen Medien der Vereine einen ausgewogenen und gleichen (Aufmerksamkeits-)Anteil erhalten. Auch die Zuschauerzahl war bei beiden Spielen am Ende nicht allzu weit auseinander. Während die 1:3 (1:1)-Niederlage der Melbourne-Frauen von knapp 2.000 Zuschauern verfolgt wurde, fanden sich bei den Männern im Anschluss gut 5.600 Zuschauer ein. 

In dem australisch-neuseeländischen Duell der Männer unterstrich der Tabellenführer aus Auckland in der 1. Halbzeit, warum er dort steht wo er steht. Obwohl Melbourne City etwas mehr Ballbesitz besaß und damit eine optische Überlegenheit suggerierte, beschränkte sich der Gast auf eine sattelfeste Defensive und klug ausgespielte Konter. Als sich die Zuschauer schon mit einem torlosen Remis zur Halbzeit anfreundeten, schloss Aucklands Lachlan Brook doch noch eine schöne Kombination zur verdienten Gästeführung ab (45+2). 

Nach Wiederanpfiff änderte sich zunächst wenig. Melbourne wollte, konnte aber irgendwie nicht. In der 70. Minute griff der auch in Australien allgegenwärtige VAR völlig zu Recht ins Spiel ein. Nach einem klaren Handspiel im Strafraum blieb Schiedsrichter Skinner gar keine andere Wahl, als auf Elfmeter für Melbourne City zu entscheiden. Skurril war hierbei nur, dass der VAR in Australien noch gläserner als in Europa ist. Während sich der Schiedsrichter die Szene aus allen Perspektiven anschaute, konnten sich die Zuschauer auf der Videowand bereits ein abschließendes Bild machen. So kann man auch Druck auf den Referee ausüben. Mit dem Ausgleich vom Punkt weckte Max Caputo seine City-Mannschaft urplötzlich auf und sorgte für eine spannende Schlussphase (70.). 

Die fand in der 81. Spielminute ihren Höhepunkt, als Medin Memeti den vielumjubelten 2:1-Siegtreffer für Melbourne City erzielte und völlig konsternierte Akteure des Auckland FC zurückließ. Die mussten sich von ihren 150 mitgereisten Fans nach Spielende zu Recht fragen lassen, wie man so ein klug geführtes Spiel am Ende verlieren kann. Was in Europa oftmals mit Fan-Frust und einer gehörigen Portion Aggressivität verbunden ist, war in Australien tatsächlich ein wirklich respektvoller und freundlicher Austausch zwischen Mannschaft und Fans. Insbesondere der ehemalige Bundesliga-Profi Hiroki Sakai nahm sich viel Zeit für AFC-Anhänger und die eigens angereisten Landsleute aus Japan.

Nach dem vielversprechenden Auftakt im AAMI-Park, dessen Aussenfassade an einen prall aufgepumpten Lederball erinnert, ging es nur einen Tag später in den Melbourne Park. Der liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite und ist die Heimat der „Australian Open“, dem grössten regelmäßigen Sportereignis auf dem australischen Kontinent. Der Besuch des ersten Tennis-Grand-Slam-Turnieres des Jahres war fraglos ein echtes Erlebnis. In meinem Instagram-Netzwerk findet ihr bewegte Story-Bilder und weitere Eindrücke vom Fußball bei Melbourne City und den Australian Open!

STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!