Wenn man sich mit jungen Menschen der sogenannten „Generation Z“ heutzutage über die Vorläufer der modernen Elektronik-Welt unterhält, wird man vermutlich in ganz vielen Fällen mit großen unwissenden Augen angestarrt. Schließlich sind hilfreiche Einrichtungen und Gebrauchsgegenstände wie Telefonzellen, Videorecorder und Faxgeräte mittlerweile genauso nostalgisch wie das lineare Fernsehen am Anfang der 1990er Jahre.
Zu diesem Zeitpunkt bestand die bundesdeutsche Fernsehlandschaft aus drei öffentlich-rechtlichen Sendern, die insgesamt recht konservativ agierten und ihre gesamte Kreativität maximal in den angesagten Familienshows wie „Wetten dass“ entfalteten. Mit dem Einstieg der werbefinanzierten Sender wie RTL oder SAT1 veränderte sich das Fernsehprogramm in den deutschen Wohnzimmern drastisch. Gerade der Kölner Privatsender RTL überflutete die neugierigen Zuschauer mit angesagten US-Serien, streitbaren Talkshow-Formaten, schlüpfrigen Mitternachtssendungen und völlig neuartigen Eigenproduktionen im Serienformat.
Während die öffentlich-rechtlichen Kritiker von einem intellektuellen Substanzverlust beim ungeliebten Konkurrenten sprachen, polarisierte RTL mit ersten „Trash“-Formaten wie der Erotik-Spielshow „Tutti Frutti“ und erzielte damit hohe Einschaltquoten. Auch die 34-teilige Eigenproduktion „Ein Schloß am Wörthersee“ mit Schlagersänger Roy Black in der Hauptrolle war auf den ersten Blick so schnulzig, dass sie vor dem Start der ersten Episode für ihren seichten und dünnen Handlungsstrang vernichtende Kritiken von der deutschen Boulevardpresse erhielt.
Schon damals galt aber auch, dass negative Kritik oftmals die beste Werbung ist. Obwohl sich viele über die kitschigen Heimat- und Liebesgeschichten aus dem Schlosshotel Falkenstein in Velden am Wörthersee lustig machten, gingen die Einschaltquoten bereits in der Auftaktfolge förmlich durch die Decke. Am Ende erhielt die Serie mit dem bekannten Titellied von Kurt Elsasser absoluten Kultstatus und bewies RTL bereits im Jahr 1990, dass nie der Kritiker das Fernsehprogramm bestimmt, sondern ausschließlich der Zuschauer!
Von guten und vor allem einträglichen Einschaltquoten dürfte der österreichische Sportsender „Sky Sport Austria“ bei Übertragungen vom Wörthersee nur träumen. Obwohl die am See gelegene Kärntener Landeshauptstadt Klagenfurt mit dem hochmodernen Sportpark Wörthersee über das drittgrösste Stadion Österreichs verfügt, interessieren sich für den heimischen Zweitligisten SK Austria Klagenfurt bei Heimspielen im Durchschnitt nur gut 500 Fans.
Das mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern ausgestattete Stadion wurde zur UEFA Euro 2008 neu erbaut und ersetzte das an gleicher Stelle befindliche alte Wörthersee-Stadion. Der vom bereits verstorbenen Kärntener Landeshauptmann Jörg Haider vorangetriebene Neubau wurde wie die erwähnte Fernsehserie im Vorfeld stark kritisiert. Dies lag vor allem an der überdimensionierten Grösse des Stadions in einer Stadt, die nur 100.000 Einwohner besitzt und über keine grössere Fußball-Anhängerschaft verfügt.
Während sich die Fernsehserie trotz der negativen Kritik durchsetzte, behielten die Stadiongegner in Klagenfurt am Ende Recht! Nach den drei EM-Vorrundenspielen war das Stadion für den heimischen Club SK Austria Klagenfurt einfach viel zu groß. Bevor das Stadion zu einer Bauruine verkommen sollte, mussten Lösungen für eine regelmäßige Nutzung der Arena her. Die wurden tatsächlich gefunden, auch wenn sie eher temporärer Art sind.
Neben der Öffnung für andere Sportarten wie American Football oder Eishockey (im Winter) wird das ÖFB-Pokalfinale seit der Saison 2013/2014 dauerhaft in Klagenfurt ausgetragen. Eine durchaus charmante Idee, da Kärnten und der Wörthersee eine wirklich wunderschöne Urlaubsregion sind, in der man vor und nach dem Spiel die hohe Lebensqualität genießen kann.
Im diesjährigen Pokalfinale kam es zum Duell zwischen dem Linzer ASK und dem SC Rheindorf Altach. Wenngleich beide Vereine in der österreichischen Bundesliga spielen, könnten sie nicht unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite befand sich mit dem LASK eine Mannschaft, die in den vergangenen Jahren eine echte Wiederauferstehung erlebte und mittlerweile zu den drei besten Mannschaften der Alpenrepublik gehört. Dem gegenüber stand ein vergleichsweise kleiner Verein aus der 7000-Einwohner-Gemeinde Altach, der schon allein in Sachen Anhängerschaft zahlenmäßig völlig unterlegen war.
Die Linzer Fan-Invasion führte allerdings auch zu Problemen, da die umfangreichen Sicherheitskontrollen beim Einlass zu langen Warteschlangen, lautstarkem Ärger und einem gelegentlichen Hauch von Anarchie bei den „Landstrasslern“ führten. Dementsprechend war ich sehr glücklich, dass mein neutraler Platz auf der Gegentribüne auch über den völlig entspannten Einlassbereich des SC Rheindorf erreichbar war.
Nach dem Anpfiff von FIFA-Schiedsrichter Julian Weinberger entwickelte sich vor 22.000 Zuschauern ein packender Schlagabtausch, in dem der Underdog aus Vorarlberg das erste Ausrufezeichen setzte. In der 5. Minute traf SCR-Goalgetter Patrick Greil nach einer zu kurzen Kopfballabwehr trocken aus 12 Metern zur Führung!
Die Führung hielt allerdings nur fünf Minuten, da Moses Usor für den Favoriten aus Linz schnell egalisierte. Wer jetzt dachte, dass der Favorit aus Linz auf dem richtigen Weg sei, wurde in der 30. Minute eines Besseren belehrt. Der kosovarische Nationalspieler Vesel Demaku nahm sich aus knapp 20 Metern ein Herz und traf sehenswert zur erneuten Führung für die Altacher, welche bis zum Halbzeitpfiff tatsächlich Bestand hatte.
In der zweiten Hälfte waren die Linzer bemüht, ihre gut 15.000 mitgereisten Fans endlich zu verwöhnen. Mehr als der verdiente Ausgleich durch den US-Amerikaner Sam Adeniran sprang hierbei allerdings nicht heraus (66.).
Dementsprechend ging es bei hochsommerlichen Temperaturen in die Verlängerung, in welcher der LASK den angeschlagenen Gegner dominierte und durch den Doppelschlag von George Bello (101.) und dem zweiten Treffer von Adeniran (103.) auf 4:2 davonzog. Die Altacher gaben in den verbleibenden Spielminuten zwar nie auf, beraubten sich mit dem verdienten Platzverweis für Marlon Mustapha allerdings ihrer Chancen auf ein Comeback (108.).
Mit dem 4:2 (1:2)-Erfolg gegen den SCR Altach gewann der Linzer ASK den ÖFB-Cup 2026. Der diesjährige Pokalgewinn war der erste nationale Titel seit 61 Jahren. Damals holte der Club das Double aus Meisterschaft und Pokal.
Nach der Siegerehrung und Pokalübergabe an LASK-Kapitän Sascha Horvath kehrte im Wörthersee-Stadion umgehend wieder Ruhe ein. Die wird möglicherweise längere Zeit andauern, da der heimische Fußballclub SK Austria Klagenfurt nach dem sportlichen Klassenerhalt in der 2. Liga mittlerweile Insolvenz anmelden musste und nächstes Jahr in der österreichischen Regionalliga antreten wird. Ob dann ein Stadion dieser Art überhaupt zu halten ist, bleibt abzuwarten. Wenigstens kehrt das Cup-Finale in einem Jahr zurück an den Wörthersee. Der ÖFB entschied sich dazu, das Finale mindestens bis 2029 in Klagenfurt auszutragen!
Das war das österreichische Pokalfinale am Wörthersee…wie gewohnt gibts in meinem Social-Media-Netzwerk bei Instagram die passenden Fotos und bewegten Story-Bilder. Klickt Euch doch einfach mal rein!
STAY TUNED…Bleibt auf Empfang!
Auf all meinen Reisen durch die Fußballstadien dieser Welt ist Aktualität ein wichtiger Bestandteil meiner Homepage! Leider bieten manche Reiseziele nicht genug „Futter“ für einen ausführlichen Spiel- und Reisebericht oder sind wiederum so intensiv, dass ich für einen umfangreichen Blog mehr Zeit und Inspiration benötige.
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