Mit der Einführung eines dritten Europapokalwettbewerbes zu Beginn der Saison 2021/2022 verfolgte die europäische Fußball-Union UEFA ein sehr ehrgeiziges und ambitioniertes Projekt. Der kontinentale Fußball sollte abseits der nahezu geschlossenen Champions League-Gesellschaft näher zusammenrücken und Vereinen aus den bislang chancenlosen Fußballnationen mehr als nur eine Qualifikationsrunde pro Saison ermöglichen.
Die unterhalb der UEFA Europa League angesiedelte Liga mit dem Arbeitstitel „Europa League 2“ wurde vor allem in den großen Fußballnationen zunächst äußerst kritisch gesehen, da man in Spielen gegen vermeintlich drittklassige Gegner einen sportlich uninteressanten und aufgeblähten Wettbewerb befürchtete, mit welchem keine größeren finanziellen Einnahmen zu erzielen sind. Auch das kickende Personal wie Max Kruse, der damals noch in Diensten des 1.FC Union Berlin stand, hatte nach eigenem Bekunden „überhaupt keinen Bock“ auf einen Wettbewerb, den er nicht einmal kannte.
Vielleicht revidierte der heutige Fußball-Pensionär seine ablehnende Haltung schon wenig später, als er in der Premierensaison der UEFA Europa Conference League (UECL) in insgesamt fünf Spielen zweimal für die „Eisernen“ traf.
Nach mittlerweile fünf absolvierten Spielzeiten darf man guten Gewissens konstatieren, dass Europas drittwichtigster Pokalwettbewerb vollständig in der Fußballwelt angekommen ist. Dies liegt vor allem an den treuen Fußballfans in England, Spanien oder Deutschland, welche nach erster Einschätzung ihrer Club-Verantwortlichen angeblich kein gesteigertes Interesse an dem neuen Format besitzen würden. Dabei war genau das Gegenteil der Fall, da in der „Konferenz“ vornehmlich Vereine zum Zug kommen, für die eine Teilnahme am Europapokal kein alljährlich wiederkehrendes Ereignis darstellt. Als Paradebeispiel für die „Lust am neuen Pokal“ gilt hier die Auftaktpartie des deutschen Teilnehmers 1. FC Köln in der Gruppenphase der Spielzeit 2022/2023. Gegen den völlig unbekannten tschechischen Underdog 1. FC Slovacko begrüssten die Geißböcke knapp 50.000 Zuschauer im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion.
Auch wenn man sich aus fußballromantischer Sicht einen klassischen Außenseiter aus Estland, Luxemburg oder Island auf dem Siegerpodest der Konferenz-Liga wünschen würde, handelt es sich bei den bisherigen Gewinnern der UECL am Ende meistens doch um finanzstarke und arrivierte Vereine aus der Beletage des europäischen Fußballs. Allerdings findet man in dieser Liste auch Teams wie Olympiakos Piräus, die es ein oder zwei Etagen höher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in die Geschichtsbücher des europäischen Fußballs geschafft hätten. Wichtigste Errungenschaft der „neuen“ UECL bleibt aber die Qualifikation von Vereinen, die nie ernsthaft mit einer Teilnahme an der Gruppen- bzw. Ligaphase eines Europapokalwettbewerbes rechnen konnten. Mit der diesjährigen Teilnahme des andorranischen Meisters Inter Club d´Escaldes an der Ligaphase ist ein weiterer weißer Fleck von der Landkarte verschwunden. Nun gibt es nur noch zwei europäische Fußballverbände, deren Clubs noch nie an einem kontinentalen Pokalwettbewerb teilnehmen konnten. Ich bin allerdings vorsichtig optimistisch, dass sich ein Verein aus San Marino oder Montenegro in Zukunft rein kämpfen wird.
Obwohl die finanzielle Differenz zwischen den teilnehmenden Clubs auch in der UECL-Ligaphase zum Teil erheblich ist, hatte die vergangene Saison die ein oder andere faustdicke Überraschung parat. Exemplarisch wäre hier das Duell zwischen den Lincoln Red Imps und dem polnischen Meister Lech Poznan zu nennen, das die Mannschaft aus dem britischen Überseegebiet Gibraltar trotz völliger Unterlegenheit im Marktwert-Ranking (2,3 Millionen Euro vs 84 Millionen Euro) mit 2:1 gewinnen konnte. Mit Siegen dieser Art hebt sich die „Konferenz“ fast schon wohltuend von der übermächtigen Königsklasse ab, in welcher die wenigen Außenseiter nur ganz selten Akzente setzen können.
Zur unbequemen Wahrheit gehört allerdings auch, dass die UEFA offensichtlich nicht unbedingt davon ausging, dass sich die eigene Konferenz-Liga zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickeln würde. Dies erkennt man an der frühzeitigen Auswahl des allerersten Endspielortes in der albanischen Hauptstadt Tirana. Auch wenn das Air Albania-Stadion eine wirklich sehenswerte und hochmoderne Arena ist, fasst sie nur knapp 20.000 Zuschauer und ist damit als internationaler Endspielort eher ungeeignet. Hier wollte man seitens der UEFA offenbar sichergehen, dass der geneigte TV-Zuschauer bei einem schleppenden Vorverkauf für das Premieren-Endspiel auf keinen Fall leere Sitze zu Gesicht bekommt.
Im Nachhinein war diese Entscheidung allerdings eine absolute Katastrophe, da mit AS Rom und Feyenoord zwei Clubs mit großer Anhängerschaft ins Finale einzogen. Selbst bei einer zurückhaltenden Schätzung hätten beide Clubs mit Sicherheit für die doppelte bis dreifache Zuschauerzahl in einem größeren Stadion gesorgt. Da man frühzeitig gewählte Endspielorte aufgrund des vorgeschalteten Bewerbungsverfahrens nicht mehr kurzfristig ändern kann, waren an diesem Abend außerhalb der Stadions vermutlich mehr Fans beider Mannschaften zu finden, als im Inneren der Arena.
Bis die UEFA das gesteigerte Interesse am Kleinsten der drei Europapokal-Endspiele abschließend bemerkte, vergingen weitere drei Jahre. Auch die folgenden Finalspiele in Prag und Athen fanden in Stadien statt, die mit ihrer beschränkten Kapazität von 17.000 bis 26.000 Zuschauern einem Finalspiel nicht unbedingt würdig waren. Erst mit der Austragung im polnischen Breslau trug der Verband dem hohen Interesse endlich Rechnung.
Das Finale der abgelaufenen Saison 2025/2026 fand zum ersten Mal auf deutschem Boden statt. In der Leipziger Red Bull Arena, die dem werbungs-allergischen Fan eher unter dem Namen Zentralstadion bekannt ist, kam es Ende Mai zu einem englisch-spanischen Duell zwischen Crystal Palace FC und Rayo Vallecano.
Die beiden Vereine, die in den hochklassigen Ligen ihrer Länder ein dauerhaftes Außenseiter-Dasein fristen und damit nicht unbedingt zur höheren Fußballklasse gehören, qualifizierten sich für den Wettbewerb auf völlig unterschiedlichen Wegen. Während die Mannschaft aus dem Madrider Stadtteil Vallecas als Achter der La Liga-Abschlusstabelle ganz klassisch in die UECL einzog, wurde dem Gegner aus England die sogenannte „Multi-Club-Ownership“ zum Verhängnis. Als amtierender englischer Pokalsieger sollte das Team des scheidenden Trainers Oliver Glasner eigentlich eine Etage höher in der UEFA Europa League starten. Dies ließen die Statuten allerdings nicht zu, da der damalige Clubbesitzer John Textor mit dem französischen Traditionsverein Olympique Lyon ein weiteres Pferd im Europa League-Stall besaß. Um spätere Absprachen oder Interessenskonflikte im Vorfeld zu verhindern, musste der „Kristallpalast“ aus London absteigen und in der „Konferenz“ an den Start gehen.
Im Endspiel von Leipzig besaßen beide Vereine die ultimative Chance auf ihren ersten internationalen Titel. Nach Anpfiff des italienischen Schiedsrichters Maurizio Mariani entwickelte sich vor knapp 40.000 Zuschauern das typische Finalspiel, in dem beide Mannschaften ihr Hauptaugenmerk zunächst auf die Defensive und eine disziplinierte Spielanlage legten. Am Ende gewann mit dem leicht favorisierten Premier League-Club die Mannschaft, die im Offensivbereich einen Hauch aktiver agierte und in vorderster Reihe mit höherer Qualität ausgestattet war. Das goldene Tor für die Süd-Londoner erzielte der ehemalige Mainzer Jean-Philippe Mateta in eiskalter Abstauber-Manier (51.).
Mit dem Gewinn der UEFA Conference League 2025/2026 dürfen die Eagles trotz eines ernüchternden 15. Tabellenplatzes in der heimischen Meisterschaft nun doch in der UEFA Europa League starten. Hier kommt es sogar zu einem direkten Aufeinandertreffen mit dem ehemaligen Partnerclub aus Lyon, welcher aufgrund der veränderten Eigentumsverhältnisse tatsächlich gemeinsam mit Palace in der Ligaphase antreten darf.
Die UEFA Conference League ist mit dem kürzlichen Wegfall des Wortes „Europa“ nun endgültig „erwachsen“ geworden und grenzt sich nicht nur mit dem andersfarbigen „Corporate Design“ bewusst vom großen Bruder, der UEFA Europa League, ab! Ich freue mich auf die kommende Saison, in der ich mit den Lincoln Red Imps wieder durch Europa reisen werde, um die großartige Entwicklung des familiären Clubs hautnah zu verfolgen. Die passenden Bilder und bewegten Storys findet Ihr wie gewohnt in meinem Social Media-Netzwerk bei Instagram. Dies gilt selbstverständlich auch für die Eindrücke aus Leipzig! Klickt Euch doch mal rein!
STAY TUNED…bleibt auf Empfang!
Auf all meinen Reisen durch die Fußballstadien dieser Welt ist Aktualität ein wichtiger Bestandteil meiner Homepage! Leider bieten manche Reiseziele nicht genug „Futter“ für einen ausführlichen Spiel- und Reisebericht oder sind wiederum so intensiv, dass ich für einen umfangreichen Blog mehr Zeit und Inspiration benötige.
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