Das nationale Pokalfinale gilt in vielen europäischen Ländern als absoluter Saisonhöhepunkt und wird dementsprechend erst nach Ende der jeweiligen Erstliga-Spielzeit als exklusives Einzelspiel ausgetragen. Für eine alternative Vorgehensweise entschied sich vor wenigen Jahren der österreichische Fußballverband ÖFB, welcher das heimische Pokalendspiel mit der vergleichsweise frühen und vor allem dauerhaften Terminierung am 01. Mai noch vor das Meisterschaftsfinale in der Bundesliga setzte. 

Am Beispiel der gerade abgelaufenen Saison 2025/2026 bedeutet dies, dass es im direkten Anschluss an das Pokalfinale am Freitagabend noch diverse Spiele im österreichischen Ligasystem geben sollte. So stellt man sich als interessierter Fußballreisender ein verlängertes „Tag der Arbeit“-Wochenende in malerischer Umgebung doch vor!

Die von Wettanbieter „Admiral“ gesponserte österreichische Bundesliga erlebt momentan eine sportliche Renaissance. Während die Liga mit ihren zwölf teilnehmenden Clubs jahrelang als uninteressante Operettenliga verspottet wurde, ist das sportliche Niveau in der Gegenwart mehr als ordentlich. Nicht umsonst sind die gut ausgebildeten Akteure aus der Alpenrepublik gerade für deutsche Vereine mittlerweile sehr interessant, da man neben den sportlichen Fähigkeiten vermehrt auf eine schnelle und unkomplizierte Integration setzt. Als wichtigster Gesichtspunkt einer verbesserten sportlichen Infrastruktur gilt allerdings die Tatsache, dass die Liga nach der jahrzehntelangen und vor allem ermüdenden Dominanz von Dauermeister FC Red Bull Salzburg endlich einen Wettbewerb erschaffen hat, der bis zum Saisonende Spannung bietet.

Die erhebliche Steigerung der Attraktivität ist in erster Linie den Clubs selbst zu verdanken, welche mit sportlicher Stabilität endlich auf Augenhöhe agieren und sich allein in der vergangenen Saison ein finales Meisterschaftsrennen mit vier beteiligten Vereinen lieferten. Aber auch der zur Spielzeit 2018/2019 eingeführte Play-Off-Modus (Trennung der Liga nach Grunddurchgang in Meister- und Abstiegsrunde) hat mit Sicherheit einen gehörigen Anteil an der generellen Aufwertung des österreichischen Profifußballs und dem damit verbundenen kontinuierlichen Anstieg der Zuschauerzahlen. 

Bevor ich mir das Rennen um die österreichische Meisterschale aus der Nähe anschauen durfte, stand erst einmal grauer Abstiegskampf auf dem Programm. Hierzu ging es aus Klagenfurt auf die knapp 300 Kilometer lange Reise nach Ried im Innkreis. Die kleine Gemeinde in Oberösterreich ist mit ihren 13.000 Einwohnern nur eine gute halbe Autostunde von der deutschen Stadt Passau entfernt und beheimatet den örtlichen Erstligisten SV Ried.

Vor dem 8. Spieltag der diesjährigen Abstiegsrunde, welche offiziell Qualifikationsgruppe genannt wird, hatte sich der Aufsteiger aus Ried den Abstiegssorgen weitestgehend entledigt. Als Tabellenführer der „unteren Hälfte“ traf man auf den Vorletzten FC Blau-Weiß Linz, welcher mit nur einem Punkt Vorsprung auf das Schlusslicht aus Wolfsberg komplett unter Druck stand.

Nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Arnes Talic entwickelte sich in der mit 6.328 Zuschauern sehr gut gefüllten BWT-Arena von Ried ein offenes Spiel mit guten Chancen auf beiden Seiten. Gerade in der Anfangsphase waren die stark abstiegsbedrohten Gäste das etwas griffigere und vor allem entschlossenere Team. All das nützt allerdings nichts, wenn man selbst Chancenwucher betreibt und zu allem Überfluss dann auch noch in Rückstand gerät…Ante Baljic traf nach knapp einer halben Stunde zur Führung für die Gastgeber des SVR.

In der zweiten Hälfte drückte der Gast aus Linz zwar mit gutem Pressing und optischer Überlegenheit auf den Ausgleich, konnte sich im Vergleich zur ersten Halbzeit aber kaum noch gute Chancen erspielen. Demnach war es fast folgerichtig, dass die Gastgeber mit dem verwandelten Foulelfmeter von Kingstone Mutandwa irgendwann den Deckel auf die Partie machten (81.). 

Am Saisonende musste die Mannschaft von Blau-Weiß Linz als Tabellenletzter den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Die Gastgeber qualifizierten sich als „Meister der Abstiegsrunde“ für das abschließende Play-Off-Spiel um die Teilnahme an der UEFA Conference League. Hier unterlag man allerdings dem Fünften der Meistergruppe, dem SK Rapid Wien, in zwei Spielen mit 2:4 (2:1 und 0:3).

Die Enttäuschung über die verpasste Europapokal-Teilnahme dürfte bei Ried-Trainer Maximilian Senft überschaubar gewesen sein. Nicht weil er als einer der zehn besten Poker-Spieler Österreichs mit über 900.000 US-Dollar Preisgeld ein sicheres zweites Standbein besitzt, sondern weil er einen Trend fortsetzte. Wie seine Landsleute Oliver Glasner, Adi Hütter oder Christian Ilzer wechselte der 36-jährige Wiener in den deutschen Profifußball und wird in der kommenden Saison versuchen, die Ziele von Zweitligist Karlsruher SC zu realisieren.

Die BWT-Oberösterreichische Arena in Ried im Innkreis

Wie eng der österreichische Meisterschaftskampf in der gerade abgelaufenen Saison war, zeigte sich im direkten Duell zwischen dem Drittplatzierten FC Red Bull Salzburg und Tabellenführer Sturm Graz. Drei Spieltage vor dem Ende führte der amtierende Meister aus Graz die Tabelle mit dem punktgleichen Zweiten Linzer ASK im Gleichschritt an. Der 17-fache Meister aus dem Red-Bull-Stall, der allein von 2014 bis 2023 zehn Meisterschaften in Folge gewann, folgte mit zwei Punkten Abstand auf dem dritten Tabellenplatz. 

Nach Anpfiff von Schiedsrichter Harald Lechner kamen die roten Bullen vor ordentlichen 17.328 Zuschauern etwas besser ins Spiel als die schwarz gekleideten Grazer. Die Heimmannschaft von Trainer Daniel Beichler, der im Februar den erfolglosen Ex-Bochumer Thomas Letsch ablöste, konnte sich erste gute Chancen erspielen und ging in der 22. Minute in Führung. Torschütze war der Belgier Yorbe Vertessen, welcher im Rahmen seines vorherigen Engagements in der Alten Försterei von Berlin-Köpenick nur bedingt Spuren hinterließ.

Mit der Führung im Rücken schraubten die Mozartstädter das Tempo sichtlich zurück und ließen den Gast aus Graz kommen. Der wusste mit dem Ball allerdings so wenig anzufangen, dass es mit dem Vorsprung in die Pause ging. In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild nur geringfügig. Obwohl der Sturm aus Graz entschlossen aus der Kabine kam und sofort Druck aufbaute, sahen die mitgereisten 2.000 Fans nur wenige Chancen ihrer Lieblinge. Das Spiel plätscherte trotz des großen Sturm-Aufwands so dahin und hätte im FC Red Bull wahrscheinlich einen glücklichen aber auch verdienten Sieger gesehen. 

In der dritten Minute der Nachspielzeit kam dann aber alles mal wieder ganz anders. Während Schiedsrichter Lechner die Pfeife schon abpfiffbereit im Mund hatte, fand der Georgier Kiteishvili mit einem schönen Steckpass den zwei Minuten zuvor eingewechselten Franzosen Axel Kayombo. Der setzte sich im Strafraum kraftvoll gegen zwei Gegenspieler durch und vollendete sehenswert mit dem rechten Fuß ins lange Eck.

Die leistungsgerechte Punkteteilung stellte für beide Vereine einen großen Rückschlag im Meisterrennen dar. Dieser Umstand war nach dem emotionalen Bad in der (Fan-)Menge auch den Grazern bewusst, die zwar einen Punkt gewannen, am Ende aber den Verlust der Tabellenführung befürchten mussten!

Nach dem Spiel ging es aus der schicken Red-Bull Arena, in welcher im August der UEFA Supercup zwischen Paris St. Germain und Aston Villa ausgetragen wird, noch in die historische Altstadt Salzburgs. Die Landeshauptstadt des gleichnamigen Bundeslandes ist ein Ort, den ich in Sachen Lebensqualität ganz weit oben in meinem imaginären europäischen Ranking ansiedeln würde. 

Wer zum Abschluss jetzt noch auf die übliche Kritik am Red-Bull-Konzern wartet, den muss ich bitterlich enttäuschen. Auch wenn sich ein Stadionbesuch in Salzburg aufgrund der kommerziellen Strukturen auf allen Ebenen anders als der Besuch eines traditionell geführten Clubs anfühlt, ist der Red-Bull-Fußballkosmos im Vergleich zu den Geschäftsgebaren beim FIFA World Cup fast schon ein Gegenentwurf zum modernen Fußball.

Die Red-Bull-Arena in Salzburg

Nur drei Tage nach dem historischen Pokalsieg in Klagenfurt stand für den Linzer ASK wieder der Ligaalltag in der Admiral Bundesliga auf dem Programm. Nach dem Unentschieden der Konkurrenten aus Salzburg und Graz besaß der LASK im Heimspiel gegen den österreichischen Rekordmeister SK Rapid Wien die große Chance, die Tabellenführung zu übernehmen.

Dementsprechend herrschte im Umfeld der 2023 eröffneten Raiffeisen-Arena vor dem Spiel große Euphorie. Die hochmoderne Arena, die mit Sicherheit kein Stadion von der Stange ist, ersetzte die an gleicher Stelle befindliche alte Spielstätte auf dem Linzer „Gugl“ und besitzt ein Fassungsvermögen von knapp 20.000 Zuschauern.

Dass zu viel Euphorie gelegentlich die Muskeln lähmt, erfuhr der frisch gebackene ÖFB-Pokalsieger in der ersten Halbzeit am eigenen Leib. Die Gäste aus dem Wiener Stadtteil Hütteldorf waren offenbar fest dazu entschlossen, ihre eigene kleine Meisterschaftschance (drei Punkte Abstand auf den LASK) zu nutzen und stürzten die Gastgeber mit aggressivem Gegenpressing und klugem Konterspiel von einer Verlegenheit in die andere. Spätestens nach der verdienten Gästeführung durch Janis Antiste (12.) waren sich die heimischen Anhänger sicher, dass das kein gemütlicher Abendspaziergang werden dürfte. 

Während der Halbzeiterfrischung muss LASK-Trainer Didi Kühbauer allerdings die richtigen Worte an seine Mannschaft gefunden haben. Die Gastgeber kamen wie verwandelt aus der Kabine und übernahmen sofort die Spielkontrolle. Dies bemerkten auch die „Landstrassler“, welche ihren LASK fortan frenetisch nach vorne peitschten.

Es dauerte gerade einmal sieben Minuten, bis LASK-Kapitän Sascha Horvath als Dosenöffner fungierte und seine Mannschaft mit dem vielumjubelten Ausgleichstreffer zurück ins Match holte. In der Folge spielten nur noch die Gastgeber, die Rapid nun keine Luft zum Atmen mehr gaben. 

In der 63. Spielminute entschied Schiedsrichter Alexander Harkam nach einem Foulspiel an LASK-Stürmer Sasa Kalajdzic völlig zu Recht auf Elfmeter. Pokalheld Sam Adeniran ließ sich die Chance nicht nehmen und verwandelte eiskalt zur 2:1-Führung für den LASK. Nur zwölf Minuten später sorgte der eingewechselte Nigerianer Moses Usor mit dem Treffer zum 3:1 für die endgültige Entscheidung und verwandelte die Raiffeisen-Arena mit ihren 16.289 Zuschauern in ein echtes Tollhaus. 

Der 3:1 (0:1)-Erfolg war für den LASK so etwas wie der Durchbruch im Meisterschaftsrennen. Mit den darauffolgenden Siegen über den FC Red Bull Salzburg (2:1) und Austria Wien (3:0) konnte man sich neben dem Pokalsieg tatsächlich noch die österreichische Meisterkrone aufsetzten und spielt in der kommenden Saison in der UEFA Champions League. Der diesjährige Doppelerfolg stellt im übrigen die ersten nationalen Titel des Vereins seit über sechzig Jahren dar. In der Saison 1964/1965 konnten die Oberösterreicher ebenfalls das Double aus Bundesliga-Meisterschaft und Pokal gewinnen!

Das war ein intensiver Ausflug ins Nachbarland Österreich. Wie immer gibts in meinem Social-Media-Netzwerk bei Instagram die passenden Fotos und bewegten Story-Bilder aus Ried, Salzburg und Linz! Klickt Euch doch einfach mal rein! 

STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!

  • SV Ried vs BW Linz