Zu Beginn des laufenden Jahrtausends steckte der australische Vereinsfußball in einer existenzbedrohenden Krise, welche durch die finanzielle Misswirtschaft des bis dato bestehenden Dachverbandes „Soccer Australia“ verursacht wurde.
Als letzter Sargnagel erwies sich der Vertrag mit dem Pay-TV-Sender „C7 Sports“, der die exklusiven Senderechte an der seit 1977 ausgetragenen „National Soccer League“ letztlich nur erwarb, um den Fußballsport in Australien gezielt zu unterdrücken. Was sich fast schon grotesk anhört, war für den Medienkonzern die perfekte Möglichkeit, sich bei der Vergabe der weitaus lukrativeren TV-Senderechte für die Übertragungen des „Australian Rules Football“ -dem Nationalsport Nr. 1- in eine gute Ausgangsposition zu bringen.
Dies belegen die geleakten Emails der C7-Verantwortlichen, in welchen die fernsehtechnische Zerstörung des aufstrebenden Fußballsports unverhohlen zugegeben wurde, um der rugby-ähnlichen Sportart mit dem elliptischen Ball noch mehr Exklusivität einzuräumen. Ob der „Australian Rules Football“ diese unlautere Art der Hilfestellung aufgrund seiner festzementierten Marktführung überhaupt nötig gehabt hätte, ist mehr als zweifelhaft. Trotzdem schaffte es „C7 Sports“, den australischen Fußball kurzfristig in die Knie zu zwingen, indem man die australischen Fußballfans auf eine ganz harte Probe stellte. Obwohl man mit den exklusiven Senderechten der „National Soccer League“ ganz viel hätte anstellen können, verzichtete man grösstenteils auf „Live“-Produktionen und bot dem verärgerten Kunden erst nach Mitternacht eine Zusammenfassung aller Spiele an.
Dementsprechend konnte sich die „National Soccer League“ auf wirtschaftlicher Ebene nicht weiterentwickeln und musste in der Folge auch im sportlichen Bereich einen gewaltigen Aderlass verkraften, da viele talentierte heimische Spieler das Land in Richtung Europa verließen.
All das hätte vermutlich nie wirklich jemanden interessiert, wenn sich die Problematik nicht auf das nationale Aushängeschild -die australische Fußball-Nationalmannschaft- ausgeweitet hätte. Aufgrund der finanziellen Probleme des angesprochenen Verbandes war gelegentlich nicht mal mehr ausreichend Geld auf dem Konto, um die in Europa tätigen Nationalspieler wie Harry Kewell oder Mark Viduka für Freundschaftsspiele oder OFC-Kontinentalwettbewerbe einfliegen zu lassen.
Nach der bitteren 0:1-Niederlage im OFC Nations Cup-Finale gegen Erzrivale Neuseeland und dem erneuten Scheitern in der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 musste dringend etwas passieren. Aufgrund der überregionalen Tragweite schaltete sich die australische Bundesregierung ein und setzte unter der Führung des renommierten Wirtschaftsprüfers David Crawford eine Expertenkommission zur Rettung des australischen Fußballs ein. Mit den umgesetzten Vorschlägen der Kommission erfuhr der australische Fußball in der Folge eine grundlegende strukturelle Reformation.
Auch wenn die erste Maßnahme aus dem sogenannten „Crawford-Bericht“ eher symbolischer Art war, erzeugte sie Aufbruchstimmung und gab dem australischen Fußball eine neue Identität. Bei der Neugründung bzw. Umbenennung des nationalen Fußballverbandes in „Football Australia“ verschwand nämlich der Begriff „Soccer“ aus dem Sprachgebrauch der australischen Sportwelt.
Während die unbeliebte amerikanische Bezeichnung für den Fußballsport weichen musste, zog mit dem Wort „Franchise“ im Gegenzug ein viel mächtigerer Begriff aus der US-Sportwelt in „Down Under“ ein.
Die A-League -die in der Saison 2005/2006 als Nachfolger der eingestellten „National Soccer League“ an den Start ging-, wird nach amerikanischem Vorbild im sogenannten „Franchise-System“ betrieben. Das kommerzielle System verursacht gerade bei europäischen Fußballfans starkes Unbehagen, da es sich komplett von der traditionellen Fußball-Pyramide unterscheidet. Während die gewachsenen Clubs in Europa in fast allen Bereichen eigenständig agieren und auch ohne eine bestimmte Liga existieren könnten, ist es bei der geschlossenen „Franchise-Liga“ komplett umgekehrt, da wichtige Entscheidungen wie die Transferpolitik bei der Liga zentralisiert werden.
Dementsprechend fehlt in der Franchise-Liga die Möglichkeit eines Auf- und Abstieges, da zwischen Liga-Gesellschaft und Vereins-Unternehmen eine geschäftliche Beziehung zur Teilnahme am Spielbetrieb besteht. Da sich Liga und bereits aufgenommene Teilnehmer beim „Franchising“ die potentiellen Neueinsteiger selbst aussuchen können, findet man in diesem kontrovers diskutierten System oftmals eine große finanzielle Stabilität und Transparenz.
Um das Risiko einer nochmaligen Finanzkrise zu minimieren, startete die neu gegründete A-League in ihrer ersten Saison zunächst nur mit acht Teilnehmern. Hierbei handelte es sich um sieben Clubs aus Australien sowie einem Team aus dem benachbarten Neuseeland, welche allesamt in den großen Metropolen beider Länder angesiedelt wurden, um eine möglichst große Anhängerschaft zu rekrutieren. Zudem versicherte die Liga mit einem Exklusivvertrag, in den ersten fünf Jahren keinen weiteren Konkurrenten in der selben Stadt zu installieren. Dies war erforderlich, um eine nachhaltige Entwicklung der Pionierclubs wie Sydney FC, Melbourne Victory oder Adelaide United sicherzustellen.
Gut 20 Jahre nach Gründung hat sich die A-League vergrössert und besteht aktuell aus insgesamt 12 Vereinen (10 australische und 2 neuseeländische Teilnehmer). Bei der noch nicht abgeschlossenen Expansion ist man bislang dem Grundsatz treu geblieben, die Teams ausschließlich in den großen Städten und Metropolen Australiens anzusiedeln.
Deshalb musste man relativ schnell von dem anfänglich eingeräumten Exklusivrecht Abstand nehmen und an fast allen Standorten mindestens einen zusätzlichen Lokalrivalen für die bereits bestehenden A-League-Clubs ins Leben rufen.
Bei dem bislang jüngsten Erstligisten der australischen Weltstadt Sydney handelt es sich um den Macarthur FC. Der Club aus dem Süden der 5,5-Millionen-Einwohner-Metropole bewarb sich mit finanzieller Unterstützung des Immobilien-Milliardärs Lang Walker für einen Startplatz in der A-League-Saison 2020/2021. Nach erfolgter Zusage musste sich das Franchise mit dem Arbeitstitel „United for Macarthur“ nur noch einen Vereinsnamen zulegen. Obwohl man zunächst den Namen „Dharawal Football Club“ favorisierte und damit die indigenen Ureinwohner der Region ehren wollte, entschied man sich am Ende des Prozesses für die Hervorhebung der gesamten Region, in welcher ein gewisser Captain James Cook im Jahr 1770 erstmals das australische Land betrat.
Die sogenannten Macarthur-Bullen, die in ihrer kurzen Lebenszeit bereits zweimal den australischen Pokal gewinnen konnten, tragen ihre Heimspiele im 18.000-Zuschauer fassenden Campbelltown Stadium aus. Die weitläufige Schüssel ist satte 55 Kilometer vom berühmten Opernhaus entfernt und dank des hervorragenden Nahverkehrsnetzes mit der S-Bahn der Linie T8 auf direktem Wege erreichbar. Innerhalb der gut einstündigen Fahrt kann man sich als naiver Sydney-Tourist von der tatsächlichen Größe der Weltstadt überzeugen.
Am 14. Spieltag der diesjährigen A-League-Saison traf der Macarthur FC auf die Mannschaft von Melbourne City FC, die ich bereits in der Vorwoche beim 2:1-Sieg über Auckland FC unter die Lupe nehmen durfte. Dass Fußball in Australien weitaus gemütlicher als in Europa daherkommt, konnte man an diesem Abend nicht nur an der ausbaufähigen Zuschauerzahl von 3.654 Zuschauern erkennen. Obwohl einige Fans auf der Wiese hinter dem Tor an Gesang und Stimmung interessiert waren, ließ sich der überwiegende Teil der Besucher auf einer mitgebrachten Picknick-Decke nieder und verfolgte das Spiel mit Hotdogs und gut gekühltem Dosenbier.
Nach Anpfiff von Schiedsrichter Lachlan Keevers entwickelte sich bei hochsommerlichen Bedingungen ein Spiel, bei dem sich eine detaillierte Analyse im Nachgang verbietet. Dies lag am offenen Visier beider Teams, für die das Wort „Defensivkontrolle“ an diesem wilden Fußballabend überhaupt keinen Bestand hatte. In einem erinnerungswürdigen sowie mitreissenden Schlagabtausch zeigten sich die Gastgeber am Ende weitaus abschlussstärker und siegten hochverdient mit 6:2 (3:1)! Die Tore für Macarthur FC erzielten Duke (7.), Brattan (9.), Caceres (35.), Vickery (62.), Bosnjak (70.) und Sawyer (90+3). Für den Meister betrieben Memeti (24.) und Younis (85.) lediglich Ergebniskosmetik.
Gemütlich war dann auch die Abreise vom nahegelegenen S-Bahn-Bahnhof „Leumeah“. Da der Großteil der Zuschauer aus dem Stadtteil Campbelltown stammt und für die kurze An-und Abfahrt das Auto wählte, war der Zug ins Stadtzentrum von Sydney nahezu menschenleer. Ein Umstand, den man in Europa auch bei einer vergleichbaren Zuschauerzahl so vermutlich nicht erleben wird.
Wie immer gibt in meinen Social-Media-Netzwerken bei Instagram und Facebook bewegte Story-Bilder und weitere fotografische Eindrücke aus dem Süden Sydneys. Klickt Euch doch mal rein!
STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!
Auf all meinen Reisen durch die Fußballstadien dieser Welt ist Aktualität ein wichtiger Bestandteil meiner Homepage! Leider bieten manche Reiseziele nicht genug „Futter“ für einen ausführlichen Spiel- und Reisebericht oder sind wiederum so intensiv, dass ich für einen umfangreichen Blog mehr Zeit und Inspiration benötige.