Mit drei Erstligisten gilt die australische Weltstadt Sydney aktuell als inoffizielle Fußball-Hauptstadt des fünften Kontinents. Neben dem A-League-Gründungsmitglied Sydney FC und dem bereits angesprochenen Franchise aus der Macarthur-Region komplettieren die Western Sydney Wanderers das regionale Trio!
Während viele A-League-Konkurrenten aufgrund ihrer Vereinsstrukturen als künstliches Investoren-Konstrukt wahrgenommen werden, punkten die Western Sydney Wanderers mit regionaler Identität und einer Prise Tradition.
Bei Gründung der A-League im Jahr 2004 war es dem frisch umstrukturierten Verband „Football Australia“ eminent wichtig, in der mit Abstand traditionsreichsten Fußballregion des gesamten Landes einen Erstligisten zu installieren. Das fußballerische Epizentrum des australischen Kontinents befindet sich nämlich in den westlichen Stadtteilen Sydneys rund um den Verwaltungsbezirk „Parramatta“, in welchen der Engländer John Fletcher im Jahr 1880 mit dem „Wanderers Football Club“ den ersten Fußballverein des Landes gründete und die Entwicklung des noch jungen Sports mit der wenig später ins Leben gerufenen „South British Football Association“ unaufhörlich vorantrieb.
Leider wurden die Wünsche und Forderungen des australischen Fußballverbandes bei der Erstaustragung der A-League nicht erfüllt. Obwohl A-League-Partner Sydney FC ursprünglich die Rolle der alten „Wanderers“ übernehmen und West-Sydney damit den Fußballglanz der alten Zeiten zurückgeben sollte, entschieden sich die Inhaber des Clubs kurzfristig um und fanden im Osten der Stadt ein neues Zuhause.
Nach Ablauf der vertraglich festgelegten „Ein Club pro Stadt“-Politik nahm der nationale Fußballverband im April 2012 einen erneuten Anlauf zur Gründung eines professionellen Fußballclubs aus Parramatta. Da sich für das Herzensprojekt etwas überraschend überhaupt kein privater Investor oder Sponsor begeistern ließ, erschuf „Football Australia“ seinen Verein aus West-Sydney am Ende einfach selbst! Mit finanzieller Unterstützung der australischen Regierung beteiligte man sogar die lokale Amateur-Fußballgemeinschaft West-Sydneys bei elementaren Themen wie Vereinsname, Trikotfarbe oder Spielort.
Hierbei entstand mit dem „Western Sydney Wanderers Football Club (WSW)“ ein Verein, der schon allein mit der Verwendung des Namens „Wanderers“ und der damit verbundenen Wertschätzung für den ersten australischen Fußballclub eine vergleichsweise große Anhängerschaft hinter sich brachte.
Die WSW konnten bereits in ihrer Debüt-Saison 2012/2013 durchaus überraschend die sogenannte „Premiership“ gewinnen. Was sich nach australischer Meisterschaft anhört, war aber leider keine. Der Gewinner der „Premiership“ ist lediglich der abschließende Tabellenführer der regulären Saison, welche aktuell 26 Spieltage besitzt und im Frühling beendet wird. Nach der regulären Saison gehts für die ersten sechs Mannschaften der Tabelle in einen spannenden Play-Off-Modus, an dessen Ende der australische Fußballmeister in einem großen Endspiel ermittelt wird.
Obwohl man dieses „Grand Final“ um die australische Meisterschaft in der Auftaktspielzeit ebenfalls erreichen konnte, verpasste man mit der 0:2-Niederlage gegen die Central Coast Mariners nur knapp den erstmaligen Gewinn der A-League-Meisterschaft. Trotz der bitteren Endspiel-Niederlage durfte man in der Folgesaison gemeinsam mit dem Meister aus Central Coast in der asiatischen Königsklasse an den Start gehen. Rückblickend ein Wettbewerb, in dem sich die WSW von Beginn an richtig wohl fühlten. Nachdem man die Gruppenphase als Tabellenführer beendete, warteten in den kommenden KO-Runden mit Sanfrecce Hiroshima, Guangzhou Evergrande, dem FC Seoul und Al-Hilal einige Schwergewichte des asiatischen Kontinents auf die unerfahrenen Wanderers. Auch wenn alle Duelle sehr eng waren und oftmals nur durch die Auswärtstor-Regel entschieden wurden, schafften die Wanderers letztlich alle schweren Brocken aus dem Weg und sicherten sich den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte!
Der sensationelle Sieg in der AFC Champions League 2014 war der erste und bislang letzte Titel eines australischen Clubs im wichtigsten asiatischen Vereins-Wettbewerb! Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass australische Vereine nach dem Wechsel aus dem ozeanischen Fußballverband OFC erst seit 2006 an den Wettbewerben des asiatischen Fußballverbandes AFC teilnehmen.
Nach dem Gewinn der asiatischen Königsklasse vor mittlerweile zwölf Jahren musste die Chronik auf dem Vereinswimpel der WSW nicht mehr neu aufgelegt werden. Während man in den Jahren 2014 und 2016 wenigstens noch am „Grand Final“ teilnehmen konnte und beide Male unterlag, herrscht mittlerweile absolute Tristesse in West-Sydney.
In der aktuellen Saison war man nach den ersten dreizehn Spielen als Tabellenschlusslicht so weit von den Playoffs entfernt, wie der Erde vom Mond. Um irgendwie Anschluss zu erhalten, musste im Duell mit dem Drittletzten Perth Glory FC unbedingt ein Sieg her!
Trotz des enttäuschenden Saisonverlaufes fanden sich an diesem Abend über 5.000 Zuschauer im wirklich schicken CommBank-Stadion ein, das sich der Club mit drei Rugby-Clubs teilt. Auch wenn damit viele Sitze in der 30.000-Zuschauer-fassenden Arena leer blieben, waren die treuen Anhänger bei Außentemperaturen von 36 Grad Celsius fest dazu entschlossen, ihre Wanderers nach vorne zu peitschen.
Nach Anpfiff von Schiedsrichter Ben Abraham waren die WSW das etwas bessere von zwei spielerisch schwachen Teams. Wenngleich man den Schwarz-Roten ihre stetige Bemühung nicht absprechen konnte, war die 1. Halbzeit so ereignislos, dass der Großteil der Zuschauer weitaus mehr Wert auf eine durchgehende Flüssigkeitszunahme legte.
Im zweiten Spielabschnitt wurde das Spiel nicht wirklich besser, dafür aber weitaus spannender. In der 60. Spielminute wechselte WSW-Trainer Gary van Egmond mit dem wenige Tage zuvor verpflichteten Ryan Fraser sein grösstes und vielleicht auch letztes Ass im Ärmel ein. Der ehemalige schottische Nationalspieler absolvierte über 300 Spiele in den ersten beiden englischen Profi-Ligen und besaß vor knapp sechs Jahren noch einen Marktwert von 30 Millionen Euro. Zu Beginn des laufenden Jahres wechselte der gute Fraser im zarten Alter von 32 Jahren aus dem kalten Southampton nach „Down Under“, da das Wetter am Bondi Beach oftmals besser als an der rauen Nordseeküste ist.
Nachdem der Offensivspieler sein „Jetlag“ auf der linken Außenbahn abgeschüttelt hatte, zeigte er eindrucksvoll, wie so ein Unterschiedsspieler eigentlich aussieht. Plötzlich musste sich die Perth-Defensive um den hünenhaften Verteidiger Brian Kaltak das ein oder andere Mal kräftig strecken, um einen Rückstand zu verhindern.
In der Nachspielzeit war dann auch der erste Profifußballer aus dem pazifischen Inselstaat Vanuatu machtlos, als ausgerechnet Fraser einen Eckball-Abpraller humorlos in die Maschen drosch und doch noch für den knappen 1:0 (0:0)-Heimsieg seiner Wanderers sorgte (90+2). Während die Glory-Akteure auf dem Platz enttäuscht zusammensackten, fragten sich die gut 100 mitgereisten Gästefans zu Recht, warum sie die knapp 4.000 Kilometer lange Anreise aus dem Westen des Landes überhaupt auf sich nahmen.
Auch aus Parramatta gibts in meinen Social-Media-Netzwerken bei Instagram und Facebook bewegte Story-Bilder und weitere fotografische Eindrücke. Klickt Euch doch mal rein!
STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!
Auf all meinen Reisen durch die Fußballstadien dieser Welt ist Aktualität ein wichtiger Bestandteil meiner Homepage! Leider bieten manche Reiseziele nicht genug „Futter“ für einen ausführlichen Spiel- und Reisebericht oder sind wiederum so intensiv, dass ich für einen umfangreichen Blog mehr Zeit und Inspiration benötige.