Um ein erstes Gefühl für die beliebtesten australischen Mannschaftssportarten zu entwickeln, bietet sich der Besuch eines Sportgeschäftes in den großen Metropolen Sydney, Melbourne oder Brisbane förmlich an. Die gut sortierten Fachgeschäfte lassen das Herz des passionierten Trikotsammlers aufgrund der riesengroßen Auswahl sofort schneller schlagen.
Leider haben die schicken Leibchen von angesagten Teams wie Sydney Thunder, der Brisbane Broncos oder den Collingwood Magpies für Fußballfans einen ganz entscheidenden Nachteil: Die aufgezählten Vereine haben mit Fußball überhaupt nichts zu tun!
Der in England zur Welt gekommene Fußballsport rangiert in der Beliebtheitsskala der „Aussies“ abgeschlagen auf dem traurigen vierten Platz und erkennt seine ewige Herausforderer-Rolle bereits an der verwendeten Bezeichnung. Obwohl der australische Fußballverband „Football Australia“ das englische Wort für Fußball seit 2005 gezielt in den Vordergrund stellt, firmiert der europäische Nationalsport für viele Australier im täglichen Leben weiterhin unter dem etwas despektierlich klingenden amerikanischen Oberbegriff „Soccer“.
Dies liegt vermutlich am „Australian Rules Football“, der mit Abstand angesagtesten australischen Mannschaftssportart, welche das Schlüsselwort „Fußball“ bei den australischen Sportfans exklusiv für sich beansprucht. Hinter dieser interessanten Mischung aus Rugby, Fußball und American Football folgen auf dem zweiten und dritten Platz des Rankings mit Rugby und Cricket zwei Sportarten, die in britisch geprägten Ländern oftmals auf den vorderen Plätzen zu finden sind und auch in Australien die Massen begeistern.
Wenngleich der europäische Fußball mit der übermächtigen Konkurrenz vor Augen in „Down Under“ das traurige Dasein einer Randsportart fristet, findet man in den angesprochenen Sportläden dennoch das ein oder andere Trikot. In der gut versteckten „Soccer-Abteilung“ ist die Auswahl allerdings sehr klein und beschränkt sich in den meisten Fällen auf das gelb-grüne Leibchen der australischen Fußball-Nationalmannschaft und einige ausgewählte Shirts aus der englischen Premier League.
Dementsprechend war es mit den vorliegenden Fakten durchaus überraschend, dass der europäische Fußball die beliebteste Sommer-Sportart der Australier sein soll. Hier steckt der Teufel allerdings im Detail. Während auf dem europäischen Kontinent viele Mannschaftssportarten erst im Sommer ihre volle Attraktivität entfalten, sind die heißen australischen Sommermonate (Dezember bis Februar) mit Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius für Freiluft-Sportarten eher unattraktiv. Da die zuschauerintensiven Nationalsportarten wie Rugby und „Australian Rules Football“ keine gesteigerte Lust auf ungesunde Hitzeschlachten verspüren und ihre Spielzeiten in den milden Winter legten, geht der australische Soccer mit dem eher unbeliebten Programmplatz im Sommer einem Konkurrenzkampf mit „Goliath“ gezielt aus dem Weg.
Der Brisbane Roar FC ist aktuell der einzige A-League-Teilnehmer aus Queensland, dem flächenmäßig zweitgrössten Bundesstaat Australiens. Das Land der Königin ist ungefähr fünfmal so groß wie Deutschland und speziell bei Urlaubern für seine wunderschönen Strände entlang der „Sunshine Coast“ bekannt. Obwohl der im Jahr 1957 von niederländischen Einwanderern gegründete Verein als einer der anhängerstärksten Fußballclubs Australiens gilt, sind die durchschnittlichen Zuschauerzahlen in der Liga trotz des riesigen Einzugsgebietes nicht mit westeuropäischen Verhältnissen zu vergleichen.
Im heimischen „Suncorp-Stadium“, einer hochmodernen Arena mit einem Fassungsvermögen von 52.000 Zuschauern, liegt der durchschnittliche Besuch in der laufenden Erstliga-Saison bei knapp 6.700 Zuschauern. Wer dieses Stadion für „The Roar“ als völlig überdimensioniert einstuft, sollte allerdings beachten, dass die Spielstätte in erster Linie für die Rugby-Spieler der Brisbane Broncos erbaut wurde und bei den Heimspielen in der „National Rugby League“ eine weitaus höhe Auslastung erfährt.
Mit dem Status der sogenannten „Zweiten Geige“ mussten sich die Verantwortlichen vor dem Ligaspiel gegen die Central Coast Mariners etwas einfallen lassen, da die heimische Arena aufgrund mehrerer Konzerte des englischen Sängers Ed Sheeran und dem damit verbundenen Bühnenaufbau für mehrere Wochen nicht verfügbar war. Die Lösung fand sich in der 35 Kilometer entfernten Gemeinde Redcliffe, wo das 10.000-Zuschauer-fassende Rugby-Stadion der ortsansässigen „Dolphins“ als alternative Spielstätte auf ein zünftiges Fußballspiel wartete.
Das Duell zwischen „The Roar“ und den „Mariners“ war ein echter Krisengipfel, da beide Clubs in der laufenden Saison bislang hinter ihren eigenen Erwartungen zurückblieben. Während die im klassischen „Oranje“ gekleideten Roar-Spieler vor dem 16. Spieltag nur knapp unter dem „Play-Off-Strich“ standen, muss sich die Mannschaft aus Central Coast vorerst mit dem vorletzten Tabellenplatz begnügen.
Bei Anpfiff von Schiedsrichter Lachlan Keevers herrschte im mit 5.714 Zuschauern gut gefüllten Kayo-Stadium eine richtig angenehme Fußball-Atmosphäre. Offensichtlich fühlten sich viele Zuschauer weitaus wohler als im weitläufigen „Suncorp-Stadium“.
Eine Minute vor der Halbzeitpause wurde die Stimmung im Heimbereich noch etwas ausgelassener, als der von Viking Stavanger ausgeliehene australische Nationalspieler Nick D’ Agostino seine Mannschaft in Führung brachte. Die hielt nicht einmal bis zum Halbzeitpfiff, da Mariners-Spielmacher Miguel Di Pizio in der Nachspielzeit eine Flanke von der linken Außenbahn in Mittelstürmermanier eiskalt verwertete (45+2).
In der zweiten Hälfte entwickelte sich das Spiel zu einem offenen Schlagabtausch mit vielen Nickligkeiten auf beiden Seiten. Die Entscheidung fiel in 79. Spielminute, als der Neuseeländer Storm Roux nach einem Eckball aus dem Gewühl zum 2:1 (1:1)-Auswärtssieg für die Central Coast Mariners traf.
Nach Abpfiff wurde es noch einmal richtig hektisch, da der aufgebrachte Roar-Trainer Michael Valkanis im Eifer des Wortgefechtes von Schiedsrichter Keevers die Gelb-Rote Karte erhielt. Dies führte in der Folge zu einer fast schon epischen Pressekonferenz, in welcher der sichtlich frustrierte Trainer zu einer Generalabrechnung ansetzte und den Spieß beim üblichen Frage-Antwort-Spiel einfach umdrehte!
Aufgrund der bitteren Niederlage verbleibt „The Roar“ vorerst im grauen Mittelfeld der Tabelle und läuft Gefahr, die wichtigen Play-Offs auch in dieser Saison zum fünften Mal in Folge zu verpassen. Dies wäre für den dreifachen australischen Landesmeister, bei dem ein Deutscher namens Thomas Broich einst ganz große Fußspuren hinterließ, zwar kein Beinbruch, dürfte aber auch nicht dazu beitragen, neue Fußball-Anhänger in Brisbane zu gewinnen.
Mit dem Blog aus Brisbane schließe ich meine Reise durch die australischen Stadien der A-League ab. Wer Lust auf die bereits angesprochene Pressekonferenz des ehemaligen Co-Trainers der griechischen Nationalmannschaft und des niederländischen Rekordmeisters AFC Ajax besitzt, findet die bewegten Story-Bilder in meinem Instagram-Netzwerk. Hier gibts auch viele weitere Eindrücke aus der drittgrössten australischen Metropole. Klickt Euch doch einfach mal rein!
STAY TUNED…BLEIBT AUF EMPFANG!
Auf all meinen Reisen durch die Fußballstadien dieser Welt ist Aktualität ein wichtiger Bestandteil meiner Homepage! Leider bieten manche Reiseziele nicht genug „Futter“ für einen ausführlichen Spiel- und Reisebericht oder sind wiederum so intensiv, dass ich für einen umfangreichen Blog mehr Zeit und Inspiration benötige.